Multiple Sklerose

Lerne deine MS zu akzeptieren! Wie? Das verrate ich dir.

5. Juli 2018
akzeptieren

Auch ich habe schlechte Tage. Auch ich habe das Akzeptieren lernen müssen.

Stelle ich mir heute die Wochen und Monate nach der Diagnosestellung vor, dann überläuft es mich kalt. Keinen einzigen Tag, keine einzige Stunde möchte ich diese schwere Zeit nochmals durchleben. Die Zeit, mein Leben vor der MS, die möchte ich auch nicht Revue passieren lassen, denn dann müsste ich den Tag „meiner MS“ erneut erleben.

 

Der Weg meine MS zu akzeptieren war steinig

Mit zwei kleinen Kindern allein in der Welt zu stehen und dann dieses Miststück MS noch auf meine Schultern gepackt zu bekommen, fand ich überhaupt nicht lustig. Ich versank in die Tiefen des schwarzen Lochs, wurde unberechenbar wie Madame, war traurig und antriebslos und doch habe ich funktioniert. Für mich definitiv nicht. Nur für meine Kinder. Aber das war Grund genug, jeden Tag aufzustehen und dort weiter zu machen, wo ich einen Tag zuvor aufgehört hatte. Ich belog mich auch selbst. Wollte ich nicht ein Leben weiterführen, wie vor der MS? Ja, das wollte ich und landete auf der Nase. Und zwar so richtig. Ein Schub nach dem anderen folgte und ich powerte mich aus. Doch auf der anderen Seite hatte ich keine Wahl. Durch die Scheidung wurde mir alles genommen, da ich einen Mann hatte, der bei der Trennung einfach schneller war und alles an Vermögen in trockene Tücher abwickelte. Da ich keine Dokumente bei Gericht und Ämter vorweisen konnte, hatten ich und die Kinder die A-Karte. Irgendwie ging es weiter für uns; ich hielt uns neben meiner Rente mit Nebenjobs über Wasser. Reichte das nicht, verkaufte ich mal ein Schmuckstück, mal ein Möbelstück. Ich schlug um mich und die Jahre kosteten mich Kraft und Lebensqualität. Und meiner MS trat ich jeden Tag in den Hintern. Und sie trat zurück. Und zwar so richtig. Heute habe ich kapiert, warum!

 

Irgendwann muss man kapieren, sonst tut es immer weh

Es gibt kein Tag, den man festmachen kann, der mir die Augen öffnete und ich mir sagte: Entweder du akzeptierst deine MS mit allen Tiefen, hörst auf dagegen zu kämpfen oder du gehst unter, ertrinkst jämmerlich in den Fluten!“ Kein schöner Gedanke und deswegen begann ich dann zu leben, in kleinen Schritten, sehr kleinen, aber ich fing endlich an.

Einiges probierte ich aus, vieles zog ich durch um gestärkt in Richtung Zukunft durchzustarten.

 

Du bist genauso stark, wie ich

Warum sollst du es nicht genauso schaffen wie ich, die MS zu akzeptieren? Ich bin nichts besonderes, nur habe ich den Prozess bereits durchlaufen und kann dir dabei helfen. Du bist stark, sobald du die Diagnose akzeptiert hat. Beginne heute damit. Lass dir Zeit, aber kämpfe auf keinen Fall gegen diese Krankheit, dieses Miststück. Das ist mein erster Tipp für dich. Kämpfen bedeutet, dass du Kraft einbüßen wirst und sie nimmt dir Lebensqualität. Deswegen höre sofort auf zu kämpfen!

 

Übernehme Eigenverantwortung beim Akzeptieren

Keiner hat Schuld, dass du diese Erkrankung hast; auch du nicht! Aber übernehme Eigenverantwortung über deine Art und Weise, wie du mit der Diagnose umgehst, wie du im Leben stehst, was du aus deinem Alltag und was du als Mensch machst. Suche nicht die Schuld bei anderen. Übernehme Verantwortung für dich selbst, deine Aufgaben, dein Leben. Auch ich habe es lerne müssen und leicht war es nicht immer, aber dieser zweite Tipp gibt dir Kraft und es eröffnen sich ganz andere Perspektiven. Und noch eins: Eigenverantwortung macht glücklich und zufrieden. Probiere es aus!

 

Du wirst leiden, aber es geht vorbei

Ich habe gelitten, bin gefallen, in ein dunkles Loch gestürzt und immer wieder aufgestanden. Heute auch noch. Doch ich weiß jetzt, dass es auch die guten Tage gibt und dass das Leid der MS immer wieder vorbei geht. Außerdem war es ein langer Prozess des Akzeptieren und das werde ich mir jetzt nicht wieder kaputt machen lassen. Du hast das Leid ertragen, du bist oft genug gestärkt daraus hervorgegangen und du weißt jetzt, du bist stark. Nichtigkeiten werden dich weniger berühren oder aufregen, denn du bist stärker, denn du hast das Leid, das die MS verursachen kann, geschafft. Mein dritter Tipp: sage dir immer wieder, dass du stark bist, dass du auch das Leiden durch die MS kennengelernt hast und heute gestärkt bist; Unwichtiges und Banalitäten in den Hintergrund treten!

 

Finde den Sinn des Lebens – deinen Lebenssinn

Jeder hat eine Berufung, eine Gesinnung, ein Lebensmuster und jeden Menschen treibt etwas anderes an. Stell dir mal die Frage und das ist mein vierter Tipp: was bedeutet für dich zu leben? In was siehst du den Sinn im Leben? Möchtest du andere Menschen motivieren? Für mich ist letzteres ein Teil meines Lebens. Euch zu motivieren, euch zu informieren und über die Multiple Sklerose aufzuklären, euch einen Stück auf eurem Weg des Akzeptieren zu begleiten. Auch du wirst den Sinn des Lebens finden. Beginne umgehend damit. Du wirst dich sofort besser fühlen und vielleicht auch andere Menschen davon überzeugen können. Lebe jeden Tag nach dem Sinn deines Lebens!

 

Lerne deine richtigen Freunde kennen

Sehr schnell findest du nach der Diagnose heraus, wer dein Freund ist oder nur für kurze Zeit dein Wegbegleiter war. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, manche Menschen werden dich nicht verstehen und dein neues Leben mit allen Höhen und Tiefen einer MS auch nicht. Mein fünfter Tipp: rechtfertige dich nie! Nicht für die Umstände, Symptome und Veränderungen, die eine chronische Krankheit mit sich bringt. Bleib dir treu. Denn du bist wichtig, du kannst nichts für die Veränderungen und wer dich nicht so nimmt, dann sage „Tschüss“. Trenne dich von angeblichen Freunden, auch wenn´s vielleicht am Anfang weh tut oder du enttäuscht bist – ich sage dir nochmals: bleibe dir treu und rechtfertige dich nicht.

 

Motiviere dich – glaube an dich

Lerne dich kennen und besonders deine Ziele. Mein sechster Tipp: halte dir dein Ziel klar vor Augen und motiviere dich jeden Tag. Du fragst vielleicht jetzt, was ist denn mein Ziel? Finde es heraus. Überlege dir, was du schon immer mal machen wolltest? Was möchtest du im Leben erreichen? Möchtest du einen anderen Beruf ausüben? In eine andere Stadt ziehen oder auswandern? Ein neues Hobby? Schreiben? Singen? Tanzen lernen? Mache dir eine Liste, notiere dir deine Gedanken und sortiere. Es ist nie zu spät, etwas Neues zu beginnen, etwas auszuprobieren oder zu verändern. Selbst kleine Ziele können dich motivieren. Probiere es aus! Glaube an dich und deine innere Stärke.

 

Achte auf dich – auf deinen Körper und deine Seele

In all den Jahren meiner MS-Karriere habe ich eins gelernt und das ist mein siebter Tipp: höre in dich rein, lerne deine Körper kennen, wie er in bestimmten Situationen reagiert, wie er mit Stress umgeht, wenn du einen langen Arbeitstag hattest oder wie sich deine Symptome verschlechtern, wenn du zu lange feierst oder arbeitest, du dich der Sommerhitze aussetzt, du zuviel Sport machst. Setze keine Maske auf und rechtfertige dich nicht. Lerne damit umzugehen – das ist deine Stärke. Sei dankbar, für all die Dinge, die du noch machen kannst.

Bei einigen Betroffenen ist es sehr wenig und ich bewundere ihre mentale Stärke und bin dankbar, dass sich unsere Wege kreuzen. Sie geben mir Kraft, wenn ich am Boden bin. Beschämt stehe ich auf und lebe erneut, motiviere mich!

Begleite auch du mich und lass uns gegenseitig motivieren und die MS akzeptieren! Es kann so einfach sein.

Herzlichst

Deine

Caroline Régnard-Mayer

 

 

Fotoquelle: unplush.com/ ryan-moreno-96903

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10 Comments

  • Reply Pascale 11. August 2018 at 18:23

    Ein toller Beitrag, der sicherlich vielen Menschen Kraft schenkt. Ich finde es schön mit welcher Power du dem Ganzen entgegenstehst und dass du dein Leben lebst wie du es möchtest. Das beeindruckt mich sehr. Mach weiter so 🙂

    Liebe Grüße

    Pascale

    • Reply frauenpowertrotzms 11. August 2018 at 23:28

      Danke Pascale. Ich gebe mein bestes und es ist Menschen auf ihrem Weg zubegleiten. Vieles geben sie mir auch zurück.
      Liebe Grüße Caro

  • Reply Elisa 9. August 2018 at 21:56

    Mir fällt es gerade schwer Worte zu finden, das ist einfach ein unglaublich schöner Blogartikel und ich denke, deine Tipps lassen sich generell auf viele Lebenssituationen anwenden. Ich habe kein MS, hatte stattdessen aber jahrelang mit Depressionen zu kämpfen. Mittlerweile lebe ich ein sehr glückliches Leben, vieles aus diesem Beitrag kommt mir jedoch sehr bekannt vor.
    Ich finde deinen Blog ganz toll!!

    • Reply frauenpowertrotzms 9. August 2018 at 22:05

      Dankeschön. Ach das freut mich so sehr. Mit Depressionen kann ich auch mitreden. Verstehe dich und ganz toll, dass du die überwunden hast. Bei MS sind oft auch hirnorganische Veränderungen schuld daran. Aber zurzeit klappt es ganz gut.
      Liebe Grüße Caro

  • Reply Nici 9. August 2018 at 17:42

    Ich hab gerade richtig Tränen in den Augen, du schreibst wahnsinnig schön! Ich musste leider selber miterleben, wie ein sehr enger Freund der Familie langsam gegen die MS verloren hat und es war wirklich heftig. Toll, wie du es geschafft hast die Diagnose zu akzeptieren und das beste daraus machst.

    • Reply frauenpowertrotzms 9. August 2018 at 17:53

      Ach Nici, das tut mir leid für dich und ich kenne auch Fälle, die Betroffenen haben einen schlechten Verlauf und da kannst du nichts mehr machen. Ich verstehe das beste daraus zu machen und meine Kinder geben mir Kraft.
      Liebe Grüße Caro

  • Reply Julie 31. Juli 2018 at 11:32

    Ich bin gerade zum ersten Mal auf deinem Blog und finde ihn wunderbar!! Richtig toll, wie du anderen Betroffenen versuchst, Mut zu machen und deine Tipps teilst.
    Ich bin zwar nicht von MS betroffen, finde deine Tipps hier lassen sich aber sehr gut auf generelle Herausforderungen des Lebens übertragen. Besonders wichtig finde ich den Punkt „Eigenverantwortung“.
    Wirklich ein motivierender und hilfreicher Beitrag!
    Alles Liebe
    Julie

    • Reply frauenpowertrotzms 31. Juli 2018 at 13:51

      Hallo Julie,
      danke für deine netten Worte. Ja vieles hier kann jeder umsetzen.
      Liebe Grüße Caro

  • Reply elke 5. Juli 2018 at 07:22

    Liebe Caro,

    auch ohne MS geht es mir oft auch so. Bei mir ist es die Migräne die mich ausbremst und ich fühle mich dann zurückgeworfen. Alles was Du geschrieben hast, was man lernen muss, das trifft für mich mit meiner Migräne auch zu. Meistens sind es 4 Tage Migräne… An diesen Tagen möchte ich eigentlich nur im Bett bleiben und nichts hören und nichts sehen. Aber das geht leider nicht. Der Job… die Firma…Krankfeiern ist nicht möglich. Dann heisst es Tabletten und nach dem Arbeitstag.. RUHE ! ..und oft kommt zuhause auch Unverständnis. Wer diese Schmerzen noch nie hatte, kann es nicht nachvollziehen. Aber es sind nicht nur die 4 Tage Migräne, mein Körper braucht auch ein paar Tage um sich davon zu erholen. 7 Tage sind dann an Lebensqualität weg. Ich sage immer…7 kostbare Tage weg. Aber bin ich nicht oft selbst Schuld, weil ich nicht auf mein Körper höre. Irgendwie ein Kreislauf. Jedesmal nehme ich mir dann vor…..

    Schön das es Dich gibt

    Liebe Grüße
    elke von elke.works

    • Reply frauenpowertrotzms 7. Juli 2018 at 13:07

      Liebe Elke,
      du weißt ja dass ich auch seit meiner Kindheit Migräne habe. Deswegen kann ich dich verstehen. Nur zu gut. Du musst das mein-sagen lernen. Nicht immer einfach aber wenn es deine Umwelt Mal kapiert dann geht es dir besser. Und wenn die nicht wollen dann musst du trotzdem gut für dich sorgen!!!
      Ich bin auch sehr froh dass es dich gibt.
      Liebe Grüße Caro

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