Alltag mit MS Sport und Bewegung

Rehasport bei MS – Bewegung, Infos und Erfahrungen

22. September 2026
Reha-Sport bei Multiple Sklerose

Als ich 2004 die Diagnose MS diagnostiziert bekommen habe wurde mir Schonung verordnet, Ruhe und Stressvermeidung. Heute weiß man es besser und seit sehr vielen Jahren gehört Bewegung und seit drei Jahren Rehasport zu meinem Leben dazu.

Jede Anstrengung und meinen Körper so wenig als möglich zuzumuten, das war als alleinerziehende Mama mit zwei kleinen Kindern unmöglich. Die ersten Jahre waren anstrengend, da zwei bis fünf Schübe meinen Alltag prägten. Doch irgendwann fand ich trotz der Umstände zum moderaten Kraftsport. Ein Programm, das auf meinen körperlichen Zustand, der sich auch immer mal wieder änderte, abgestimmt wurde. Mit den Kindern unternahm ich oft am Wochenende Spaziergänge im Wald. Hatte ich mal einen Schub, dann packte ich einen Rucksack und bin auf Waldstücke mit kleinen Bächen gefahren oder auf eine Burg – da konnte ich die Kinder spielen lassen, ich saß dabei und ein Picknick rundete unsere Ausflüge ab.

Ich lese immer wieder von Betroffenen, dass sie sich, wie ich mich nach der Diagnose, nicht getraut haben Sport zu machen. Doch gerade Bewegung, nicht nur Physio- oder Ergotherapie sind essenziell für MS-Erkrankte.

Zum Rehasport kam ich per Zufall. In unserer Stadt gibt es nur die Rheuma-Liga, die Rehasport anbietet. Nach einem klärenden Gespräch mit den Ligavorständen war klar – ich konnte mitmachen. Mehr dazu weiter unten – erst beantworte ich euch ein paar Fragen.

Was ist Rehasport allgemein?

Der Rehasport (Rehabilitationssport) ist klar definiert: Er ist ein Bewegungssport, der Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder Behinderung unterstützt, körperlich fit und stabil zu halten. Nach Verletzungen, einer stationären medizinischen Rehabilitation, nach einer Operation und anschließenden Anschlussheilbehandlung kann man Rehasport beantragen. Rechtliche Grundlage sind § 43 SGB V und § 64 SGB IX. Es ist so wichtig, die Gesundheit zu erhalten und in der Gruppe unter fachkundiger Anweisung sich zu bewegen, das stärkt sogar die Sozialkontakt.

Ich übe Rehasport in der Rheumaliga einmal die Woche und tatsächlich bin ich die jüngste mit 61. Wir sind eine gemischte Gruppe und die Altersstufen gehen von 70 bis 96 Jahren. Richtig gelesen. Unser ältester Teilnehmer turnt noch fleißig mit. In unseren Rehasport wird viel gelacht und wir haben eine tolle Physiotherapeutin.

Übrigens findet ihr hier auf meinem Blog noch weitere Sportarten bei MS.

Wie beantrage ich Rehasport?

Recherchiere zuerst, ob Rehasport in deiner Stadt oder Umgebung angeboten wird. Bei uns gibt es nur die Rheumaliga, denn irgendwo länger hinfahren wollte ich nicht.

  • Bewegungssport muss von einem Arzt, wie Hausarzt oder Orthopäde, verordnet werden. Bei unserer MS würde ich zuerst den Neurologen fragen.
  • Du kannst ein Formular im Internet runterladen, aber mache es dir einfach. Mein Hausarzt hatte das Formular für die Verordnung in seiner Praxis. Es handelt sich um „Ärztliche Verordnung für Rehabilitationssport“. 
  • Die Verordnung muss man meistens selbst zur Krankenkasse schicken oder zur Renten- oder Unfallversicherung. Die Kasse prüft sie und bewilligt sie hoffentlich gleich. Ansonsten lege Widerspruch ein. Übrigens einmal bewilligt läuft die Bewilligung ohne einen Neuantrag zu stellen, einfach weiter. Das Gesetz wurde letzten Sommer verabschiedet.
  • Jetzt kannst du starten, wenn du dich entsprechend bereits informiert hast. Ansonsten frag mal bei der Rheuma Liga nach oder beim Bundesverband Rehabilitationssport (RehaSport e.V.) nach. In größeren Städte gibt es oft auch Rehasport für MS-Betroffene.

Das größte Missverständnis, mit dem aufräumt werden muss: Bewegung macht MS nicht schlimmer. Ganz im Gegenteil: es ist eine Säule bei der Behandlung der Multiplen Sklerose und endlich mal wieder für sich selbst zu tun gibt einem auch ein gutes Gefühl und nicht alleine zu turnen, macht in der Gruppe mehr Spaß.

Über die Jahre seit der Diagnose habe ich selbst gespürt, dass regelmäßige Bewegung und egal welchen Sport du noch ausüben kannst – stärkt meine Muskeln und Kraft (ich denke besonders an die Rückenmuskulatur) und wirkt sich positiv auf das Gleichgewicht aus. Du musst dranbleiben! So mal hie und da sich zu bewegen und Sport zu machen bringt dir nichts!

Halte dir vor Augen, was du durch Bewegung und Rehasport erreichen kannst: Verbesserung der Fatigue, Treppen steigen, längere Strecken zu laufen, drehen und bücken können sich verbessern und deine Rückenmuskulatur muss gestärkt sein, gerade wenn du ein Hilfsmittel, wie einen Rollstuhl, im Alltag brauchst.

 

Habe ich dich etwas motivieren können? Oder machst du regelmäßig Rehasport?

Schreibs gerne in die Kommentare und lasst uns hier austauschen und uns gegenseitig motivieren.

Deine

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