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Sexualität

    Unsichtbare Symptome bei MS

    Sexualität bei MS – lass uns ein Tabuthema brechen!

    10. Dezember 2021
    MS und Sexualität

    Sexualität bei und mit Multiple Sklerose

    Lass und Klartext reden — lass uns ein Tabuthema brechen!

    Sexualität bei MS oder auch im Fachjargon sexuelle Dysfunktion genannt – dieses Thema bedeutet viel Sensibilität für jeden einzelnen von uns.

    Die MS zeigt uns jeden Tag ihre Grenzen, ob sichtbar oder nicht, auch bei der Sexualität stoppt sie nicht. Unsichtbar, der Verlust der körperlichen Liebe, Gefühlschaos, Rückzug, Sprachlosigkeit, Resignation … umso mehr sollten wir darüber reden, miteinander reden und aufeinander zugehen. Sexualität ist das natürlichste von der Welt und sollte das auch bleiben trotz chronischer Erkrankung, trotz Eingeschränktheit.

    Ursachen – Geduld – Gespräche
    Sexuelle Störungen sind nicht primär der MS zuzuschreiben, denn die psychische Belastung durch die Erkrankung schleicht sich in alle Lebenslagen ein und ebenso können Medikamente z.B. Antidepressiva der Verursacher sein. Ein klärendes Gespräch mit dem Neurologen oder der Psychotherapeutin helfen in solchen Situationen. Aber das Wichtigste sind die Gespräche mit dem Menschen, den du liebst. Viel Geduld ist angesagt, wenn man lustlos, gehemmt, Angst oder körperliche Funktionsstörungen hat.
    Liebe ermöglicht viel, aber man sollte sich nicht scheuen professionelle Hilfe zu suchen. Versuche offen über alles mit deinem Partner zu sprechen, dies setzt natürlich eine gute Partnerschaft voraus. Schreib ihm/ihr, wenn es dir leichter fällt als zu reden. Kommt es zu ersten Partnerschaftskonflikte, dann sucht gemeinsam nach Therapeuten und nehmt unbedingt Hilfe! Aber auch sehr hilfreich sind Fachbücher und Fachzeitschriften, wenn die Hemmschwelle noch zu groß ist oder um erste Tipps in Eigenverantwortung umzusetzen.

    Würde dir das helfen?
    Beide Seiten müssen mit der neuen Situation erst einmal zurechtkommen, wobei jeder im Verlauf der Erkrankung immer wieder Veränderungen hinnehmen muss. Die sollte man versuchen, mit Gesprächen und aufeinander zugehen versuchen zu lösen. Echt schwierig, wenn der Körper streikt oder eine Fatigue oder Depression das Leben extrem eh schon erschwert.

    Schafft ein ruhiges Umfeld zu einer Tageszeit, wo ihr ungestört miteinander reden könnt. Spreche deine Erwartungen und Wünsche aus, denn der andere kann nicht wissen, was du denkst und fühlst. Dadurch werden Erwartungsängste und Enttäuschungen besser abgebaut.

    Sei offen für Neues und bleibe neugierig, es gibt so vieles, was man zusammen neu entdecken kann. Lasse deinen Neurologen nie außen vor, denn er kann euch/dir mit Medikamenten sehr helfen. Aber es gibt MEHR als Medis — dafür braucht ihr keinen Arzt:

    • Gleitgel wasserbasierend, mit und ohne Geschmack, massiere damit.
    • Gleitgel silikonbasierend (klebt nicht so), sehr ergiebig
    • Penisringe medizinisches Silikon, zur Potenzsteigerung, einfach ausprobieren, du hast nichts zu verlieren
    • Strap-ons vielleicht ein Experiment wert? Keine Ahnung 😉
    • Vibratoren schwört einer meiner Freundinnen und deren Mutter (äh jetzt wird’s peinlich 😉
    • Bücher über Tantra und Massagen liste ich nicht auf, denn man kann das Thema auch zerreden und noch verschlimmern.
    • NACHTRAG: ein Leser hat mir die Entspannungsmusik von Deuter empfohlen für euch und finde die Idee sehr schön!

    Ich bin überzeugt, ihr verfügt über genügend Fantasie!

    Frauen und ihre Sexualität bei MS
    Bei Frauen mit MS ist häufig die Orgasmusfähigkeit und eine trockene Scheide (Lubrikationsstörung) der Grund für sexuelle Störungen. Aber auch Medikamente (z.B. Antidepressiva) führen zu Unlust, teils auch starke Spastiken und Schmerzen verhindern das Ausüben der Sexualität. Es werden Hormonpräparate und Gleitgels empfohlen, bei Spastiken evtl. eine Therapie mit Botulinumtoxin. Aber wichtig ist, was ihr als Paar möchtet und ob ihr zu solchen Maßnahmen wie Botulinumtoxin greifen wollt. Gleitgel fürs Erste bevor ich Medikamente schlucken würde, eine gute und angenehme Lösung.

    Führt doch einmal ganz unverbindlich mit deinem Gynäkologen und Neurologen, eventuell auch mit deinem Urologen ein Gespräch.
    Viele Betroffene haben mir auch erzählt, dass sie sehr berührungsempfindlich sind, Spastiken in den Händen das Streicheln des Partners unmöglich machen, die Fatigue sie sehr beeinflusst oder ebenfalls die Inkontinenz. Hier sollte unbedingt das Gespräch mit dem Fachmann, einem Menschen ihres Vertrauens, gesucht werden.

    Die unsichtbaren Symptome greifen in das Miteinander und die Liebe zweier Menschen gravierend ein und dann muss man sich solch Sätze wie „Man sieht dir nichts an!“ anhören. Ich gebe offen zu, hier werde ich schon mal garstig!

    Frauen und ihre Sexualität mit MS

    Männer und ihre Sexualität bei MS
    Bei Männern mit MS liegt häufig eine Errektionsstörung bzw. -schwächung vor. Aber auch Medikamente (Antidepressiva) und Spastiken können die Ursache für sexuelle Störungen sein. Bei Errektionsstörungen kommen die Potenzmittel Sildenafil und Vardenafil (weniger Nebenwirkungen) zum Einsatz, sollten aber unbedingt mit dem Neurologen, Urologen oder Fachärzte für Sexualmedizin bzw. für Sexualtherapie abgeklärt werden.

    Eine gute Adresse ist in diesem Zusammenhang die Deutsche Gesellschaft für Sexualtherapie. Denn es kann zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen und dürfen auf keinen Fall bei koronaren Krankheiten eingenommen werden! Beeinflussen Spastiken und Medikamente die Dysfunktion, dann sind Physiotherapeuten und Neurologen gefragt.

    Tabu bei Männern mit Multiple Sklerose

    Sexualität bei MS bedeutet einen gemeinsamen Weg gehen
    Die Sexualität bei MS-Erkrankten stellt die Paare vor große Herausforderungen, aber man sollte versuchen, gemeinsam es anzugehen. Neue Wege müssen eingeschlagen werden und nur ein offener ehrlicher Austausch führt zu einer weiterhin dauerhaften Beziehung. Respekt und eigene Wünsche zu äußern sind sehr wichtig — aber auch Spielereien und zu experimentieren. Alls ist erlaubt, was euch gefällt. Ganz wichtig: du kannst nicht Rom an einem Tag aufbauen. Erfinde dich/euch neu. Erforscht eure Körper und ehrlich, kennst du alle erogene Zonen deines Partners?

    Eins noch: Dem gesunden Partner die Möglichkeit zu geben sich zu erholen, Hobbys nachzugehen, die man nicht mehr gemeinsam machen kann. Nimmt euch Zeit des Akzeptierens, seid geduldig und seit gemeinsam offen für Neues.

    Es ist kein leichter Weg, aber mit Geduld, Respekt und viel Liebe könnt ihr es erreichen – und das wünsche ich euch von ganzem Herzen!

    Single und dann ein neuer Partner?
    Den Singles unter uns, so wie ich einer bin, kann ich nur den Rat geben, verpasst nicht den richtigen Zeitpunkt der Aufklärung eures neuen Partners. Am besten zu Beginn des Kennenlernens besonders wenn du „ach so gesund aussiehst“ ohne sichtbaren Symptome. Das ist jedoch meine persönliche Meinung. Deine darfst du gerne im Kommentarfeld schreiben.

    Die meisten Männer nahmen nach dem ersten Gespräch zwar sofort ihre Füße in die Hände und verschwanden recht schnell, aber was will ich mit einem Partner, der beim ersten Problem resigniert!

    Jetzt lass dich bitte davon nicht entmutigen!

    Denn wir MS-Erkrankte können und sind gute Partner, die lieben und geliebt werden wollen – eben anders gesund sind.

    Und wer verspricht uns, dass unser Partner ein Leben lang gesund bleibt?

    Ich wünsche dir so sehr, dass du über deine Sexualität, mit deinem Partner, aber auch deinem Arzt, sprechen kannst.

    Herzlichst

    Deine

    Logo vom Blog Frauenpower trotz MS

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