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Plasmapherese

    Multiple Sklerose Was bedeutet Multiple Sklerose?

    Plasmapherese – eine Option bei schweren Schüben, die nicht auf hoch dosiertes Cortison ansprechen

    7. Februar 2022
    Apherese bei Multiple Sklerose

    Wie, warum und wieso eine Plasmapherese (Apherese)? Lese das was dich interessiert!

    Zwei Wochen nach meiner Booster-Impfung verschlechterte sich meine Multiple Sklerose. Spastiken (erhöhter Muskeltonus) im linken Fuß und in der Hand. Dadurch auch Schmerzen in den Extremitäten. Die Muskulatur schmerzte in beiden Armen und den Schultern. Die Gehstrecke reduzierte sich auf 10 bis 20 Metern. Lähmungserscheinungen im linken Arm. Ich konnte fast nichts mehr heben oder richtig greifen. Die Fußheberschwäche rechts war sehr ausgeprägt.

    Zuerst hoffte ich, ich könnte den Schub aussetzen. Denn eine Kortison-Stoßtherapie wirkt bei mir nicht mehr. Nebenwirkungen stehen zu keinem Verhältnis zum Nutzen. Der Weg zum Neurologen war unumgänglich.

    Plasmaphere – nein danke!

    Mein behandelter Arzt weiß von meinen 21 Stoßtherapien und schlug mir eine Plasmapherese vor. In solchen Situationen sollte man keinen medizinischen Beruf wie ich haben. In meinem Kopf spielte ich sofort alle Szenarien einer Apherese durch und dankte meinem Neurologen. Dazu bin ich nicht bereit. Was sollte er tun?

    Er stellte mir eine Kliniküberweisung aus, plus eine Überweisung für ein HWS und BWS MRT. Doch egal, welche Kliniken ich in der Nähe anrief — Bettenstop. Corona! Mein Hausarzt, den ich informierte, hatte auch kein Glück. Dieser stellte mir noch eine Überweisung zu einem Schädel MRT aus. Innerhalb vier Tage hatte ich zum Glück ein MRT. Leider nur für die HS und BWS. Ergebnis: keine neuen oder aktiven Läsionen. Doch für das MRT des Kopfes bekam ich erst 4 Wochen später einen Termin. So lange konnte ich nicht warten. Schließlich hatte ich einen Schub. Und zwar einen schweren.

    Zu Hause machte ich erneut einen Termin bei meinem Neurologen aus. Am nächsten Tag rollte ich bereits zu ihm. Denn mein Rolli war seit 3 Wochen mein ständiger Begleiter. Die Symptome verschlechterten sich zunehmen und ich kam daheim kaum noch alleine zurecht.

    Plasmapherese – ja bitte!

    Mit den Worten ″Ich bin am Ende, ich mache alles, selbst eine Plasmapherese, aber Hauptsache mir wird geholfen.“ Mein Arzt griff zum Telefon und für 2 Tage später hatte ich einen stationären Termin im Städtischen Klinikum in Karlsruhe.

    Warum eine Plasmapherese?

    Bei bestimmten Erkrankungen, wie die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS), sammeln sich im Blutplasma (flüssiger Anteil im Blut) Stoffe, wie Eiweißverbindungen und Antikörper, die sich gegen das Nervensystem richten. Durch die Plasmapherese wird das Blut gereinigt. Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass ebenso nützliche Eiweiße, wie Blutgerinnungsfaktoren, Transporteiweiße und Flüssigkeit entfernt werden.

    Nach Reinigung des Bluts werden die zuvor abgetrennten Blutzellen Kochsalzlösung und Humanalbumin zugeführt. Zusätzlich setzt man blutverdünnende Medikamente (Heparin oder Citrat) zu, damit das Blut im Schlauchsystem nicht gerinnt. 

    Eine Plasmapherese ist eine Option bei schweren Schüben, die nicht auf hoch dosiertes Cortison ansprechen. Es ist ein modernes Verfahren, das aber nicht als Dauertherapie angewendet werden kann. 

    Was ist eine Plasmapherese?

    Eine Plasmapherese ist ein technisches Entnahmeverfahren für Blutplasma. Also ein sogenanntes Blutreinigungsverfahren. Sie erfolgt durch extrakorporale (außerhalb vom Körper) Abtrennung des Plasmas vom Restblut. Im ersten Schritt werden Blutzellen (die festen Bestandteile) vom Plasma getrennt. Anschließend wird das gewonnene Plasma durch spezifische Filter (Adsorber) geleitet. Dabei entfernt man unerwünschte Substanzen, wie bei der MS unerwünschte überschießende Immunglobuline (Autoantikörper).

    Kurz zusammen gefasst: Dein Blut wird über ein Schlauchsystem aus dem Körper genommen, zu einem speziellen Filter (Zellseparator) geleitet und dort wird dein Plasma durch eine Membran (Trennschicht) vom Blut abgetrennt und entsorgt. Der größte Blutbestandteil (rote/weiße Blutkörperchen und Blutplättchen) deinem Körper zurückgeben.

    Es gibt auch sogenannte Immunadsorptionen, die manchmal auch zur Anwendung kommen. Das Verfahren ist ähnlich, dauert bis zu 5 Stunden und ist teurer. Euer behandelnder Arzt in der Klinik entscheidet. Ich wollte es einfach erwähnt wissen.

    Risiken und mögliche Komplikationen

    Die Plasmapherese ist eine Routineverfahren. In der Regel wird sie gut vertragen. Ich zumindest hatte außer einem Abfall der Elektrolyte, wie Kalium und Calcium, nur an einem Tag einen niedrigen Blutdruck und leichter Schwindel. 

     

    Du wirst überwacht und umsorgt

    Während der Behandlung betreut dich eine Dialyse-Krankenschwester oder Krankenpfleger zur Seite. Das Fachpersonal überwacht das gesamte Gerät, weil etwa alle 15 Minuten die Flaschen mit Humanalbumin ausgetauscht werden müssen. Ich hatte alle 2 Tage eine Behandlung und es wurden 4 Liter Plasma ausgetauscht. Ebenso werden Blutabnahmen über den Shaldon-Katheter abgenommen. Im Blut bestimmt man die Elektrolyte, den O2 und CO2-Gehalt, die Hämoglobin- und Hämatokrit-Werte.

    Der arterielle Blutdruck und die Pulsfrequenz werden alle 30 Minuten durch eine angelegte Manschette gemessen. Ebenfalls werden der Druck der Lungenarterie und die Urinausscheidung überwacht. Ein Dialyse-Arzt spricht bei jeder Sitzung mit dir und beantwortet deine Fragen und fragt, wie du dich fühlst und ob du das Verfahren gut verträgst.

    Das Beste waren die sehr interessanten und lebhaften Gespräche und das Frühstück im Bett. Ich fühlte mich rundum bestens umsorgt.

     

    Mögliche Risiken

    Um dir keine Angst zu machen, zähle ich dir nur die möglichen Risiken auf, die bei mir außer einem niedrigen Blutdruck und Schwindel, nicht aufgetreten sind: Kreislaufreaktionen, Schwindel, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, selten Bewusstlosigkeit, Erhöhung der Infektanfälligkeit, Gerinnungskomplikationen, durch Abfälle der Elektrolyte (Blutsalze) Muskelkrämpfe.

    Vor der Plasmapherese muss ein Shaldon-Katheter gelegt werden – habe keine Angst davor!

    Katheter in der Halsvene bei einer Apherse

    Um einen ausreichenden Blutzufluss zu erzielen, wird ein Venenkatheter, der Shaldon-Katheter, meist in eine große Vene am Hals eingelegt.

    Da ich einen medizinischen Beruf habe und genau wusste, was auf mich zukommen würde, lies ich mir etwas zur Beruhigung geben. Das empfehle ich dir unbedingt.

    Du wirst im Bett in die Dialyse-Abteilung gefahren. Im Bett wird das Legen des Katheters durchgeführt. Ein steriles Tuch legt der Arzt über deinen Kopf und Hals. Ein Ultraschall zeigt ihm genau die Hohlvene und das umliegende Gewebe. Dann desinfiziert er die Stelle zum Einführen des Shaldon und den Hals. Eine lokale Anästhesie, eine kleine Spritze wie beim Zahnarzt, betäubt die Haut. Jetzt wird punktiert und der Katheter in die Halshohlvene eingeführt. Du spürst kaum etwas. Ein Druckgefühl kann eventuell beim Schieben des Katheters durch die Vene entstehen. Versuche, wenn es dir in dieser angespannten Situation möglich ist, gleichmäßig zu atmen. Danach wird mit zwei Stichen der Shaldon festgenäht. Ein steriles Heftpflaster auf die Wunde und fertig. Die ganze Prozedur dauert nicht länger als 15-20 Minuten.

    Die Plasmapherese ist wirklich eine gute Option bei schweren Schüben, wenn wie bei mir hoch dosiertes Cortison nicht anspricht – eine gute Entscheidung!

    Hab keine, aber überhaupt keine Angst vor einer Plasmapherese. Der Shaldon-Katheter ist etwas unangenehm, aber du spürst durch die lokale Betäubung nichts. Der Schlauch aus dem Hals ziehen ist schmerzfrei und wird im Liegen gezogen, nach dem die Fäden gezogen sind. Einmal tief ein- und ausatmen — sehr wichtig — und schon ist er draußen. Zum Stillen der Blutung wird mit einem sterilen Mulltupfer auf die Wunde gedrückt, das tut weh. Dann kommt für zwei Stunden ein Sandsack auf die mit Heftpflaster verschlossene Wunde. Sehr unangenehm, aber auszuhalten.

    Der Austausch, die Plasmapherese, dauert 2-3 Stunden und schlaucht sehr. Die Lösungen werden angewärmt, somit frierst du während der Behandlung nicht. Eine Schwester ist die ganze Zeit bei dir. 
    Während meines Klinikaufenthalts habe ich viel geschlafen, viel Obst und kaliumreiche Lebensmittel gegessen. Mein Sohn durfte nicht in die Klinik, versorgte mich deswegen durch die Schleuse am Klinikeingangs mit getrockneten Aprikosen, frischem Obst, wie Bananen, Kiwi und Äpfel (kaliumreich).

    Zu Hause war ich die ersten Tage sehr schwach und konnte weder kochen noch meinen Haushalt machen. Doch Joel, mein Sohn kochte und gefrierte mir portionsweise Essen ein. Er schmiss 4 Tage den Haushalt, dann kam ich Tag für Tag immer besser wieder alleine zurecht.

     

    Richtige Entscheidung für mich

    Da nach 21 Kortison-Stoßtherapien bei mir Kortison nicht mehr wirkt und ich einen schweren Schub mit neuen aktiven Läsionen hatte, war die Plasmapherese wirklich die richtige Entscheidung. Die ersten Besserungen verspürte ich etwa eine Woche nach der Behandlung. Die Wegstrecke wird länger, die Spastiken sind fast verschwunden. Die restlichen Symptome werden sich eventuell auch noch verbessern. Die Entzündungen im Kopf müssen noch abheilen. Dafür braucht man Geduld.

    Ich habe mich nach 9 Jahren ohne Therapie entschlossen, wieder etwas zu nehmen. Zwei Optionen stehen zur Auswahl. Dafür müssen derzeit ein paar Tests und Blutuntersuchungen durchgeführt werden.

     

    Plasmapherese ist eine wirklich gute Therapie und nicht so selten bei MS, aber keine Routine! Sie muss wohlüberlegt sein. Die Plasmapherese ist eine Option bei schweren Schüben, die nicht auf hoch dosiertes Cortison ansprechen. Denke daran, sie ist keine Dauertherapie!

     

    Halt die Ohren steif und kommentiere bei Fragen unter dem Artikel oder schreibe uns doch einfach deine Erfahrungen. Davon profitieren wir alle.

    Habe keine Angst vor dieser Therapie – ich habe dir die Plasmapherese ausführlich erklärt und hoffentlich bewiesen, dass ich meine ängstliche Aversionen ablegen konnte. Nichts wird so heiß gegessen, wie gekocht.  

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