Oft steht man vor einem Berg voller Fragen, wenn es um Hilfsmittel bei unserer Erkrankung MS geht. Denn welche gibt es und erleichtern sie tatsächlich unseren Alltag? Wie beantragt man sie und welche Rechte, Möglichkeiten hat man?
Ich versuche etwas Licht ins Dunkeln zu bringen, denn ich bin selbst betroffen. Solltet ihr Anregungen und Tipps haben, bitte kommentiert gerne unter dem Artikel im Kommentarfeld.

„Weil Alltag nicht jeden Tag gleich leicht ist – und Unterstützung Lebensqualität schenken kann.“
Was sind Hilfsmittel?
Wusstest du, das über 30.000 Hilfsmittel verzeichnet sind? Unglaublich – ich wusste es nicht. Ich verliere da echt manchmal den Überblick.
Hilfsmittel sind nach dem Paragrafen 33 SGB V ärztlich verordnete Sachen. Und Hilfsmittel haben den Zweck, unsere Krankheitsbehandlungen zum Erfolg zu verhelfen oder zu sichern. Eine Behinderung soll vorgebeugt werden oder eine auszugleichen.
Noch sei erwähnt, dass ein Alltagsgegenstand trotzdem ein Hilfsmittel sein kann, wenn das Produkt als speziell an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung angepasst ist oder eine medizinische Funktion erfüllt.
Du hast ein Hilfsmittel? Dann steht dir außerdem notwendige Änderungen am Hilfsmittel, Zubehöre wie Batterien, Kosten von Wartung und Reparaturen, Betriebskosten, wie Strom bei elektrischen Rollstühle oder sonstige medizinische Geräte, zu.
Hilfsmittelgruppen sind bei MS und vielen chronischen Erkrankungen wie folgt eingeteilt
Mobilitätshilfen
- Gehstöcke
- Rollatoren
- Rollstühle
- Elektrorollstühle
- Scooter
Hilfen für Bad und Toilette
- Duschstuhl
- Toilettensitzerhöhungen
- Haltegriffe
Pflegehilfen
- Pflegebett
- Lagerungshilfen
- Antidekubitus-Matratzen
Orthopädische Hilfsmittel
- Orthesen
- Bandagen
- Einlagen
Orthopädische Hilfsmittel
- Orthesen
- Bandagen
- Einlagen
Kommunikationshilfen
- Sprachcomputer
- Spezialsoftware
- Kommunikationsgeräte
Seh- und Hörhilfen
- Hörgeräte
- bestimmte Sehhilfen
Hilfsmittel zur Therapieunterstützung
- Elektrotherapiegeräte
- Atemtherapiegeräte
- Bewegungstrainer
Hilfen zur Selbstversorgung
- Anziehhilfen
- Esshilfen
- Greifhilfen
Hilfsmittel bei Inkontinenz
- aufsaugende Hilfsmittel
- Katheter
- spezielle Versorgungssysteme

Die Krankenkasse bezahlt nicht alles, was im Alltag hilfreich wäre. Es gibt eine klare Abgrenzung zwischen einem echten „Hilfsmittel“ und einem sogenannten Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens.
Was dir nicht zu steht?
Das sind Dinge, die grundsätzlich auch von gesunden Menschen genutzt werden und zum normalen Alltag gehören. Dafür zahlt die Krankenkasse in der Regel nicht.
Beispiele für Dinge, die meist nicht übernommen werden und oft unklar sind:
Normale Möbel (aber ein spezieller Therapiestuhl), Standard-Betten (aber Pflegebett), gewöhnliche Schuhe (aber orthopädische Schuhe), Haushaltsgeräte, normale Fahrräder (Therapiefahrrad), Smartphones oder Tablets, handelsübliche Küchenhilfen, Fitnessgeräte, normale Computer und Tastatur (aber eine behindertengerechte Spezialtastatur). Auch wenn sie den Alltag mit MS erleichtern können, gelten sie oft als allgemeine Alltagsgegenstände.
Denke immer daran: Hilfsmittel bedeutet nicht „Aufgeben“ sondern sie unterstützen dein Selbstständigkeit, entlasten dich und bedeuten Lebensqualität!
Wann du Anspruch auf ein Hilfsmittel hast und Antragsstellung
Du hast Anspruch auf ein Hilfsmittel, wenn du gesetzlich versichert oder privat krankenversichert bist. Die rechtlichen Grundlagen und die Voraussetzungen für die Kostenübernahme unterscheiden sich. Für gesetzlich Versicherte habe ich oben erläutert.
Auch privat Versicherte können Hilfsmittel erstattet bekommen. Der Umfang der Leistungen richtet sich jedoch nicht nach dem Sozialgesetzbuch, sondern nach dem individuellen Versicherungsvertrag und den vereinbarten Tarifbedingungen.
Voraussetzungen
Voraussetzung für ein Hilfsmittel ist, dass dein Arzt oder Ärztin die Notwenigkeit festgestellt und verordnet. Ich kenne viele Betroffene, ich eingeschlossen, die sich vor dem Arztbesuch bereits über ein Hilfsmittel informieren haben und gezielt dem Arzt sagen können, was auf dem Rezept stehen muss. Dann ab mit dem Rezept zum Sanitätshaus, die auch den Kostenvoranschlag mit Rezept bei deiner Krankenkasse oder Pflegekasse einreicht. Die Krankenkasse prüft anschließend den Antrag und entscheidet über die Kostenübernahme.
Die Kostenübernahme tragen folgende Hauptkostenträger Krankenkasse, Pflegekasse, Rentenversicherung und Integrationsamt.
Pflegehilfsmittel
Hast du einen Pflegegrad? Dann stehen dir Pflegehilfsmittel unabhängig von der Krankenversicherung zu. Das sind beispielsweise Bettschutzeinlagen, Pflegebetten oder Lagerungshilfen.
Ein Hilfsmittel soll nicht erst helfen, wenn gar nichts mehr geht. Es soll dabei unterstützen, Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Warum für uns Hilfsmittel so wichtig sein können
Was du tun kannst, wenn dein Antrag abgelehnt wird
Wie oft war ich während meiner MS-Karriere so frustriert, dass ein Hilfsmittel abgelehnt wurde, das ich dringend gebraucht hätte. Bei jeder Ablehnung bin ich in Widerspruch gegangen.
Als erstes behalte die Fristen des Widerspruchs im Auge. In der Regel hast du 4 Wochen Zeit einen Widerspruch zu formulieren und einzureichen. Aber lese aufmerksam den Brief der Ablehnung durch!
Jetzt geht’s los mit dem Schriftkram!
Ergänze bereits vorhandene Begründungen und schicke ärztliche Stellungnahmen, Berichte von Therapeuten oder eine genaue Beschreibung deiner Einschränkungen im Alltag mit. Dadurch kannst du der Krankenkasse über die Notwendigkeit des Hilfsmittels besser darstellen. Nenne Beispiele, die deinen Alltag mit der MS erschweren und warum du mit den Symptomen durch ein Hilfsmittel Unterstützung benötigst.
Hast du keine Familie, die dich unterstützen kann, dann wende dich an den Sozialverband VDK (du musst natürlich Mitglied sein) oder Patientenorganisationen oder auch unabhängige Beratungsstellen können dich dabei unterstützen, einen Widerspruch zu formulieren und die eigenen Ansprüche durchzusetzen.
Manchmal braucht es etwas Geduld und Durchhaltevermögen. Doch viele zunächst abgelehnte Anträge, werden nach einem gut begründeten Widerspruch doch noch bewilligt. Deshalb kann es sich lohnen, für die Unterstützung zu kämpfen, die du benötigst.

Meine Tipps aus meinem Leben, damit du es besser machst: nehme frühzeitig Hilfe an und warte nicht erst, wenn nichts mehr geht, teste immer Hilfsmittel und vergleiche, nutze die Erfahrungen anderer Betroffener, wie einer Selbsthilfegruppe oder die sozialen Netzwerke.
Glaube an dich!
Am Ende könnte natürlich auch Fazit stehen, aber mir ist es wichtig, dass du klüger handelst als ich und dich gut vorbereiten kannst, solltest du ein Hilfsmittel beantragen wollen.
Hilfsmittel schaffen Freiheit und bedeuten mehr Lebensqualität.
Denke immer daran, dass eine Unterstützung, egal ob Hilfsmittel oder andere Dinge im Alltag, nicht Schwäche bedeutet und sie die decken deine Bedürfnisse ab.
Gehe deinen eigenen Weg und verliere nicht den Mut!
Ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter, denn durch den Austausch mit dir, profitiere auch ich!
Deine






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