Multiple Sklerose

Pflegegrad beantragen I keine Angst davor I ich helfe dir dabei

13. Mai 2020
Hilfe beim Antrag eines Pflegegrades

Früher konnte ich ja nicht viel mit diesem Begriff anfangen. Und ehrlich? Ich wollte auch gar nicht. Das ist, was für alte Leute dachte ich. Nun fehl gedacht, liebe Caro. Willkommen in der Welt der Pflegegrade!

Ein guter Überblick über die Änderungen des zweiten und aktuellen Pflegestärkungsgesetz und die Umwandlung der Pflegestufe in Pflegegrade habe ich euch hier zusammengefasst.

 

Wer bekommt einen Pflegegrad? Welche Voraussetzungen müssen vorliegen?

Nicht nur mit der Erkrankung Multiple Sklerose kannst du einen Pflegegrad beantragen. Definiert wird pflegebedürftig eine Person, die gesundheitlich beeinträchtigt sind in ihrer Selbstständigkeit und Hilfe durch andere benötigen. Wenn du in deinem Alltag eingeschränkt bist durch eine körperliche, geistige oder psychische Komponente, du dauerhaft auf Hilfe angewiesen bist, dann beantrage einen Pflegegrad!

Die Schwere der Krankheit ist nicht von Bedeutung, sondern die Beeinträchtigung deiner Selbstständigkeit. Die Pflegebedürftigkeit muss mindestens bereits sechs Monate vor Antrag bestehen. Und wichtig: Du musst innerhalb der letzten zehn Jahre zwei Jahre in die Pflegeversicherung nach dem SGB XI versichert gewesen sein. Das bist du als Arbeitnehmer und Rentner. 

Solltest du das nicht erfüllen, gibt es „Hilfe zur Pflege nach dem SGB XII. DAs Verfahren ist etwas komplizierter. Du stellst einen Antrag auf Sozialhilfe und einen Ergänzungsantrag auf Hilfe zur Pflege. Die eigenen finanziellen Mittel werden anhand einer Bankengagementbescheinigung geprüft. Der Pflegebedürftige wird nicht durch den MDK geprüft, sondern durch das zuständige Gesundheitsamt.

 

Es gibt sechs Module, in die die Pflegebedürftigkeit eingeteilt wird und der MDK (Medizinische Dienst der Krankenkasse) stuft dich ein bzw. beurteilt dich nach:

  • Mobilität 10 %
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten 15 %
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen 15 %
  • Selbstversorgung 40 %
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen 20 %
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte 15 %

Bei den Modulen 2 und 3 zählen nicht beide, sondern der höhere der beiden der Punktzahl. Aus allen Punkte der fünf Module ergibt sich der Pflegegrad. Es gibt 0 bis 100 Punkte zu vergeben.

Hier kannst du nochmals ganz detailliert die einzelnen Module nachlesen.

 

Wo stelle ich den Antrag und wie?

Deinen Antrag stellst du bei der Pflegekasse. Entweder du rufst deine Krankenkasse an, die dir das Formular zuschickt oder du lädst es dir auf deren Seite runter. Ich gehe immer den einfacheren Weg. Ohne Suchen und mit ersten Informationen versorgt, hat mich meine Kasse am Telefon beraten. Der Antrag flatterte zwei Tage später in meinen Briefkasten.

Der Antrag ist nicht schwer auszufüllen und sobald du ihn zurückgesendet hast, meldet sich die Pflegekasse mit einem Begutachtungstermin. Meistens innerhalb von vier Wochen.

 

Wie verläuft so eine Begutachtung?

Aus Erfahrung gebe ich dir gerne den Tipp, dass deine Hilfsperson bei der Begutachtung anwesend ist. Er unterstützt dich im Alltag und kann ebenfalls Auskunft geben. Es macht einfach einen besseren Eindruck. Und seelische Unterstützung brauchst du sicher, denn so eine Begutachtung spannte zumindest mich sehr an.

Schildere deine Einschränkungen in deinem Alltag, welche Probleme du hast, welche Hilfsmittel dich unterstützen könnten (im Bad oder Haltegriffe in der Wohnung …) einfach all deine Probleme rund um deine Behinderung oder Einschränkungen. Auch seelische Schwierigkeiten spreche an. Schäme dich nicht. Du wirst bei dem Gespräch ebenfalls auf eine mögliche Rehabilitation angesprochen. Spreche bitte alles an, was dir Schwierigkeiten im Alltag macht und habe keine Angst. Vor dir sitzt ein Fachmann oder -frau, die ausgebildet sind, meistens sogar Ärzte. Nur so kann man dich richtig einstufen und dir helfen!

 

Eine Begutachtung zum Pflegegrad dauert meistens etwa eine Stunde und findet zu Hause statt. In der jetzigen Coronazeit finden diese Termine per Telefon statt.

 

Vorbereitung vor der Begutachtung zum Pflegegrad

Sobald du den Antrag zur Pflegekasse hast, notiere dir alles wo du im Alltag Probleme und Einschränkungen hast. Lass den Schreibblock auf deinem Tisch liegen, denn ich kann dir sagen, da kommt einiges zusammen und immer wieder fällt dir etwas ein. 

Wer unterstützt mich? Wer fährt mich zum Arzt und zu den Therapien plus Zeitaufwand? Ist die Grundpflege gewährleistet und bei welchen Dingen brauche ich Hilfe? Besitze ich Hilfsmittel? Brauche ich einen Umbau in der Wohnung? Bist du psychisch belastet, hast du eine Depression, die dich im Alltag einschränkt? Kannst du dich gut artikulieren oder hast du mit der Sprache Probleme? Je länger du über deinen Alltag nachdenkst und dir jedes Mal Notizen machst, wirst du erstaunt sein, was so alles zusammenkommt. 

Für die Begutachtung legte ich alle Arztberichte, Klinik- und Rehabilitationsberichte der Gutachterin vor; mein Sohn kopierte dann die relevanten für die Begutachterin.

Was dir vielleicht auch helfen kann, ist ein kostenloser Pflegegradrechner. Mit diesem Tool kannst du alle Fragen durchgehen, die dir bei der Begutachtung gestellt werden. So fühlst du dich etwas sicherer und weist ungefähr was auf dich zukommt.

Was mir auch sehr geholfen hat, war ein Gespräch beim Pflegestützpunkt. Außerdem meldete ich mich gleich zum Betreuten Wohnen an. Die Listen sind lang und eine Wartezeit von 8 bis 10 Jahre ist oft Tatsache. Eine Empfehlung von Pflegestützpunkt war ein Buch, das ich gerne hier verlinke: „Richtlinien des GKV-Spitzenverbandes zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit“. Eine weitere gute Vorbereitung. Denn VORBEREITUNG ist das A und O!

 

Wann bekomme ich meinen Termin zur Begutachtung? Wann bekomme ich den Bescheid danach?

Normalerweise sollten zwischen Antragsstellung und Begutachtungstermin nicht mehr als vier Wochen liegen. Auf jeden Fall bekommst du rückwirkend ab Antragsdatum das Pflegegeld bezahlt.

Dein Antrag muss innerhalb von 25 Arbeitstagen bearbeitet werden. Das wurde gesetzlich geregelt und die Gutachter halten sich daran. Sollten sie sich nicht an diese gesetzliche Vorgabe halten, müssen die Pflegekassen für jede angefangene Woche 70 Euro an den Antragsteller, sprich dich, bezahlen. 

 

Bei Ablehnung Widerspruch einlegen

Bist du mit dem Gutachten nicht einverstanden oder hast den Pflegegrad abgelehnt bekommen — lege innerhalb von vier Wochen Widerspruch ein. Hier reicht ein formloser Brief. Die Pflegekasse kommt dann auf dich zu. Es wird einen neuen Begutachtungstermin geben. Das war bei mir der Fall. Die Dame korrigierte ihre Angaben. Wir wissen ja alle, dass die Tage mit unserer MS nicht gleich sind. Scheue dich nicht vor einem Widerspruch. Meistens geht dein Antrag auf Pflegegrad bzw. Pflegegeld dann durch.

 

Pflegehilfsmittel stehen dir bei einem Pflegegrad zu

Nur als Anmerkung noch erwähnt. Lass dich bei einem positiven Bescheid beraten, denn dir steht auch eine Haushaltshilfe bei jedem Grad zu bzw. bei Pflegegrad 1 nur diese. Man nennt ihn Entlastungsbetrag und es werden 125 Euro im Monat bezahlt. 

Außerdem erkundige dich nach der Verhinderungspflege. Ich habe dir diesen Punkt verlinkt, da auch deine Hilfsperson mal verhindert sein kann oder Urlaub machen möchte.

Und zum Schluss noch mein Tipp: Pflegehilfsmittel. Hier kannst du den Antrag stellen. Die Einrichtungen rechnen mit der Pflegekasse direkt ab. Es stehen dir 40 Euro pro Monat an Pflegehilfsmittel zu, und zwar bei Pflegegrad 1 bis 5. Du kannst wählen zwischen saugende Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Händedesinfektion und Flächendesinfektion.

 

 

 

Hast du etwas mitnehmen können von meinen Tipps und Informationen? Das wäre echt super. Stelle einen Antrag, wenn du im Alltag dich eingeschränkt fühlst und du Hilfe brauchst. Hab keine Angst. Du siehst, eigentlich ist es einfach und ich hoffe, meine Schritt für Schritt Erläuterungen konnten dir weiterhelfen!

 

Welche Tipps hast du für mich und welche Erfahrungen hast du gemacht? Lass eine Antwort da. Jetzt unter diesem Artikel!

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4 Kommentare

  • Antworten Nadja Steinbeißer 19. Mai 2020 at 21:42

    Liebe Caro,

    entschuldige bitte, dass ich erst jetzt auf Deinen Beitrag reagiere!
    Vielen Dank dafür – ein wichtiges Thema! Ich habe selbst auch schon manchmal darüber nachgedacht, scheue mich aber immer noch davor! Dein Beitrag bringt mich aber wieder dazu darüber nachzudenken! Danke liebe Caro ❤️ Liebe Grüße

    • Antworten frauenpowertrotzms 19. Mai 2020 at 21:54

      Liebe Nadja,
      du bist so lieb 😍
      Überlege dir das in Ruhe und gehe mal die Fragen vom kostenlosen Pflegerechner durch. Hinterher bist vielleicht einen Schritt weiter. Ansonsten schreibe mich gerne an.
      Liebe Grüße Caro

  • Antworten Bettina Halbach 17. Mai 2020 at 23:26

    Hallo Caro, oh mein Gott, wie komplex ist es , einen Pflegegrad zu beantragen… wir standen vor Jahren davor, als meine Mutter ein Pflegefall wurde, sehr unschön oder traurig. Aber es ist gut, dass es das gibt und auch gut zu wissen, dass du kompetent unter die Arme greifen kannst, wenn es dazu kommt. Ich würde dein Hilfsangebot dann annehmen 🙂 liebe Grüße Bettina

    • Antworten frauenpowertrotzms 18. Mai 2020 at 20:35

      Liebe Bettina, danke dir. Ein erster Überblick und auch viele Details. Der erste Schritt kann mit meinem Artikel gestartet werden und bei fragen mich einfach anschreiben. Helfe soweit ich kann.
      Liebe Grüße
      Caro

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