Multiple Sklerose

Aus der Perspektive aus dem Rolli heraus

15. Februar 2018
rolli-verornen-lassen

Oh je, denken jetzt vielleicht viele; was kommt jetzt? Ein deprimierender Beitrag über das Leben eines Rollifahrer!?

Wer mich kennt, weiß, dass ich hier nicht die Traurige „spiele“ und aufgegeben habe – es sind einfach heute Gedanken über mein Besuch auf der Buchmesse #fbm2017 – und es wird ein längeres Statement – holt euch schon mal ne Tasse Kaffee.

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/inklusion-gruppe-rollstuhl-2731346/

Bildquelle: https://pixabay.com/de/inklusion-gruppe-rollstuhl-2731346/

 

Seit Oktober habe ich endgültig die Ära des Rollifahren eingeläutet?

Ja, ja … auch das weiß ich, meinen Rolli habe ich ja schon länger und benutzte ihn halbherzig, wenn die Gehstrecke zu weit war und ich draußen von der Welt mehr sehen wollte. Aber im Herbst auf der Buchmesse ohne meinen Rolli wäre überhaupt nicht möglich gewesen. An der Seite hatte ich einen lieben Menschen, der es mir leicht machte und mit mir durch die Gänge und Hallen rollte. Ich weiß nicht, ob er mit seiner Spontanität, so schnell mal 240 km zu fahren und mir bei meiner Premiere, ab jetzt auch solche Events nicht mehr zu meiden, weiß, was er mir „Gutes“ getan hat. Doch, er hat es gespürt, dass ich Horror schon Tage vor der Messe verspürte und schrieb mir, dass er mich begleiten wird – sonst hätte er es nicht getan. Am späten Vormittag ist dann eine liebe FB-Freundin und Autorin dazugestoßen und und das Trio war perfekt.

 

Einen Tag danach klingt die gute Stimmung und das Erlebte nach.

Foto: privat

Foto: privat

Und da ich ab jetzt bei solchen Veranstaltungen nur noch mit Rolli unterwegs bin, klebte ich gleich ein kleines Etikett von Sopur auf mein Auto. Etwas zerknittert, aber sieht kaum jemand. Denn auf keinen Fall wollte ich in den letzten Monaten dieses Schild auf der Rückfront kleben und verband es in die Tasche des Rollis. Irgendwie war es mir peinlich, denn mein Sohn fährt auch mit dem PKW.

Doch einen Tag nach der Messe bin ich aufgewacht und fasst mir an den Kopf. „Echt Caro, du spinnst doch echt. Jeder weiß es, dass du MS hast und mittlerweile sieht man es auch.“ Ich fühle mich befreit, endlich auch sichtbar am Auto zu zeigen, ich brauche den Rolli. Ich stehe dazu.

 

In der Vergangenheit hatte ich so viele Menschen um mich, die mir immer sagen „mussten“, ob ich wollte oder nicht, du brauchst doch keinen Rolli, du kannst noch laufen. Und wenn ich sagte, nicht weit und nach den Metern des bevorstehenden Spaziergangs fragte, wurde ich zu Hause gelassen. Böse und enttäuscht bin ich nicht, doch ich habe aussortiert und orientiere mich gerade neu!

Es ist eine andere Perspektive aus dem Rolli die Welt zu sehen. Man muss von unten nach oben schauen, die Theken sind zu hoch und man fragt sich, wie komme ich an den Kaffee ran und wie an den Tisch in wenigen Metern Entfernung!?

Die Schwingtüren auf der Messe gingen uns alle Drei auf den Keks. Wie kann man an Behindertentoiletten Schwingtüren machen oder Türen, die kaum kräftemäßig ein Gesunder aufstoßen kann?

Da ich die Welt als gehender Mensch ja logischerweise auch kenne, wundert mich nichts mehr. Auch nicht an ganz kleine Erhebungen am Boden der Türen vom Außenbereich der Messe in die Hallen. An einer bin ich gescheitert und bin aufgestanden, schob dann den Rolli. Schade, dass ich die verwunderten Blicke hinter mir nicht gesehen habe.

Der Blickwinkel als Rollifahrer beim fotografieren ändert sich. Durch die Anstrengung des Schiebens und die damit nachlassende Armkraft sind manche Handyfotos leicht verwackelt. Nicht wichtig, es sind einfach neue Erfahrungen.

Ebenso der Blick nach oben zu einem Menschen, der mit dir spricht, ändert sich; was mir zum Glück nichts ausmachte. Manche Aussteller waren mit Rolli schwerer zu erreichen. Man kann nicht mal schnell durch die Menge schlüpfen. Zuerst muss evtl. eine Bodenerhebung bewältigt werden, an zahlreiche Besucher vorbei und je näher ich dem gezeigten Ansprechpartner kam, um so schwerer war er in der Menge auszumachen. Dieser Blick auf Augenhöhe fehlte. Belustigend fand ich die vielen Blicke auf Rücken und Hinterteile, da kommt schon auf den ein oder anderen Gedanke etwas anzustellen.

Je schneller ich mich an die neue Perspektive gewöhne, um so leichter werde ich es in Zukunft haben.

Es ist ein weiterer Meilenstein in meiner MS-Karriere, den es zu akzeptieren gibt und sich an die neue Perspektive aus dem Rolli nach oben zu schauen.

Die Welt ist weder anders als vorher, nicht schlechter und nicht besser. Und sie ist genauso schön wie vorher! Genau dies, muss man sich klarmachen.

In diesem Sinne, Kopf nach oben und rollt oder läuft in ein erholsames sonniges Wochenende!

Herzlichst

Eure

MS-Blog frauenpowertrotzms

Schreibt mir gerne eure Erfahrungen und kommentiert! Bin sehr gespannt!

 

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