Multiple Sklerose

Feldenkrais – eine Methode die bei Begleiterscheinungen der MS helfen kann!

17. Oktober 2018
Feldenkrais-Frauenpower trotz MS-Blog

Wisst ihr wär Feldenkrais war?

Kein Problem, denn ich wusste es bis zum Jahr 2011 auch nicht. Der israelische Kernphysiker und Judoka (japanisches Judo) Moshé Feldenkrais lebte von 1904-1984 und entwickelte diese Methode. Es ist keine Therapie sondern ein pädagogisches Konzept. Die Schüler lernen ihre Bewegungen und Haltung durch einen Feldenkrais-Lehrer zu beobachten. Somit nehmen sie bewusster ihr Lebensmuster wahr. Das heißt nichts anderes als dass der Mensch lernt alte Muster, die er sich angeeignet hat und ihm evtl. nicht gut tun, zuändern, zu hinterfragen und sie gegebenenfalls neu zu erlernen.

 

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Was bedeutet die Feldenkrais-Methode?

Mit leichten und feinen, oft sehr dezenten und auch nur in der Vorstellung ausgeführte Bewegungen erforscht man seinen eigenen Körper und nimmt ihn wahr, horcht ins sich und experimentiert, was einem gut tut. Man lernt oft neue Gestaltungsmöglichkeiten und Bewegungen, somit beeinflusst es auch unsere Haltung. Schmerzen werden verringert und verschwinden mit der Zeit, man richtet sich leichter auf und spürt vielleicht sogar das erste Mal, was einem gut tut, was nicht, was sogar geändert werden sollte, um mehr Lebensqualität zu erreichen.

Moshé Feldenkrais¹ ging davon aus, dass drei Faktoren den Menschen prägen: Vererbung, Erziehung und Selbstschulung. Nach Feldenkrais können bei Erwachsenen positive Veränderungen nur durch Selbstschulung erzielt werden. Zur Unterstützung der Selbstschulung schuf Feldenkrais zwei Unterrichtsarten:

  1. den Einzelunterricht, die ›Funktionale Integration‹
  2. den Gruppenunterricht, ›Bewusstheit durch Bewegung‹

Beide verfeinern und vervollständigen durch differenzierte Wahrnehmung das Ich-Bild und verbessern dadurch Ihr Tun und Erleben.

 

Einzelunterricht – funktionale Integration

Bei der funktionalen Integration handelt es sich um Einzelstunden, in denen der Feldenkrais-Lehrer den liegenden Schüler bewegt. Der Feldenkrais-Unterricht beginnt im allgemeinen mit dem Einzelunterricht. In den Einzelstunden führt der Lehrer am Schüler gewisse Bewegungen durch. Der Schüler liegt dabei passiv auf dem Boden. Durch die gezielt eingesetzten Bewegungen soll die Körperwahrnehmung des Schülers gesteigert werden. Gemeinsam wird nach einer Art der Bewegung gesucht, die grössere Bewegungsfreiheit und mehr Wohlbefinden ermöglicht.

Anmerkung:

Mein Sohn wurde vor vier Jahren an den Wachstumsfugen seiner Beine operiert. Er wuchs einfach zu schnell und ein Bein kam nicht nach. Außerdem entwickelte er eine Fehlhaltung und klagte über Kreuzschmerzen und das mit 15 Jahren. Nach der Operation ließ ich ihm von unserem Feldenkrais-Lehrer 7 Einzelstunden geben. Die Chemie stimmte von Anfang an zwischen beiden, was absolut wichtig ist bei dieser Methode. Ebenfalls bin ich davon überzeugt; auch die Stimme muss einem „gefallen“; sie muss einem erreichen, ansprechen, entspannen lassen. Ich hoffe ihr wisst was ich meine 😉  Kennt ihr sicher, ihr habt eine Entspannung-CD gekauft und die Stimme ist der Alptraum … zu hoch, zu tief, zu lange Pausen, piepsig … da könnte man diese CD doch glatt aus dem Fenster schmeißen und den Sprecher gleich hinter her!

Mein Sohn hat sich durch die Behandlung, die fast 70-90 Minuten dauert, wieder aufgerichtet und seine Fussfehlstellung war verschwunden. Solltet ihr in Landau oder Umgebung wohnen, habe ich euch hier den Ansprechpartner und das Zentrum, wo ich die Feldenkraisstunden in der Gruppe besuche, verlinkt.

 

Gruppenunterricht – Bewusstheit durch Bewegung

„Bewusstheit durch Bewegung wird meist in der Gruppe unterrichtet. Dabei leitet der Lehrer seine Schüler mit der Stimme bei den sogenannten „Lektionen“ an. Er erforscht mit ihnen die ungewohnten Bewegungsabläufe und gibt ganz gezielt Anregungen, Denkanstöße und doch lässt er den Schüler seine eigene Erfahrungen machen. Eigenes Handeln entsteht.

Die Personen liegen oft zu Beginn auf dem Boden und spüren in ihren Körper hinein. In unseren Stunden bewegen wir sehr sanft den Kopf nach rechts und links. Am Ende der Stunde wiederholen wir diese Nachspüren und beurteilen selbst, ob sich durch die Feldenkrais-Stunde etwas in unserem Körper verändert hat. Nehmen ihn nochmals bewusst wahr … den Kopf, das Aufliegen von Beinen, Rücken, Schultern und Arme auf der Matte. In der Gruppe schließen viele die Augen und tauchen in ihre eigene Welt, nur im Hintergrund die Stimme des Anleitenden. Es ergeben sich vielfältige Gelegenheiten, sein Handeln zu erkunden und in die Bewegungen hineinzuspüren. Bitte nie über die Schmerzgrenze gehen, eigentlich noch nicht einmal in diese Richtung sich bewegen. Konzentriert man sich nur mal auf sich, spürt man soviel und entspannt dabei. Ich führe meine Bewegungen oft nur dezent aus, spüre in den Ablauf und manchmal korrigiere ich. 

Was ich gelernt habe …

Ich habe gelernt, klar das brauchte natürlich viele Monate, dass ich einige Übungen und Bewegungen wiederum nur in der Vorstellung mitmache. Und trotzdem ziehe ich am Ende einen Nutzen daraus. Oft Stunden danach oder sogar erst am nächsten Tag. Ich bin entspannter und es gibt mir ein gutes Gefühl etwas von meinem Körper gelernt zu haben. Falsche Bewegungsmuster und oft eine einseitige Haltung durch die MS brachten meinen Körper mit den Jahren in eine Schieflage. Seit nun 2012 besuche ich diese Feldenkrais-Stunden und bemerke sehr oft im Alltag, was mir nicht gut tut und ich meine Haltung oder die gerade durchgeführte Bewegung bewusst korrigiere. Aber es braucht etwas Übung.

 

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Was braucht man zu einer Feldenkrais-Stunde?

Zeit, Ruhe und einen besonderen Lehrer. Macht eine Probestunde ob diese Methode etwas für euch ist. Aber nicht zu schnell aufgeben, denn Feldenkrais braucht etwas Übung, gerade wenn man als MS-Betroffener Nutzen daraus ziehen möchte. Wichtig ist der Ort, wo die Stunden statt finden. Der Raum sollte mit warmen Farben eingerichtet sein, schlicht und ohne großartige Befehlsstellwerke oder Möbel. Unsere Gruppe trifft sich in einer anthroposophischen Arztpraxis in Landau. Heller Boden, sehr wenige Stühle, ein Tischchen für den Lehrer, mittelbraune Holzdecke und nur drei Aquarelle. Die Deckenbeleuchtung ist sparsam und kann gekonnt eingesetzt werden. 

Für mich ist der Untergrund ebenfalls sehr wichtig und ich kaufte mir sehr schnell eine warme Matte aus 100% Schafwolle mit entsprechender Dicke und Unterseite aus Latex. Bitte achtet darauf dass ihr einen guten Stand auf der Matte habt, also auf die Dicke achten, solltet ihr mal Übungen im Stehen machen. Ausprobieren und notfalls zurückgeben. Ich setze euch am Ende meines Blogbeitrags Affiliate-Links. Der erste ist meine Matte, mit der ich absolut zufrieden bin, mich total wohlfühle. Die beiden Anderen kann ich auch empfehlen. Zum Schutz der Matte kaufte ich mir für wenig Geld eine Schutzhülle. Heute würde ich die andere für 11,99€ nehmen, da sie eine etwas größere Öffnung hat. Aber meine tut es auch. Selbstgestrickte dicke Socken und bequeme Kleidung – und ab kann es zur Feldenkrais-Stunde gehen. Viel Spaß wünsche ich euch! Ich bin überzeugt, dass Feldenkrais euch gut tun wird.

 

Bei Fragen schreibt mich gerne an. Kommentiert, wenn ihr auch mit dieser Methode Erfahrung habt oder andere Methoden empfehlen könnt. Es wird euch jeder danken, ich auf jeden Fall.

Herzlichst Eure

 

 

 

 

 

 

Fotos: © Caroline Ré´gnard-Mayer

¹ Quelle: https://www.meine-gesundheit.de/medizin/naturheilverfahren/feldenkrais-methode


 

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4 Comments

  • Reply Elisabeth Mecklenburg 29. November 2018 at 04:49

    Hallo liebe Caro, Guten Morgen
    Mit Freude habe ich gerade diesen Blogbeitrag auf deinem Blog entdeckt! Ich schwöre auf Feldenkreis und es hat mit enorm geholfen. Vor einigen Jahren hatte ich einen ganz schlimmen Sturz. Das Ergebnis: Im linken Knie war alles gerissen und angerissen, das nur eben reißen konnte. Am Tag darauf bin ich zum Doc, da ich zunächst dachte, … ach, morgen ist das wieder besser. Aber so war es nicht, am Tag darauf konnte ich das Bein überhaupt nicht mehr bewegen. Nun gut, ein Nachbar fuhr mich zum Arzt, laufen konnte ich ja so gut wie gar nicht mehr mit dem Knie. Nach der Untersuchung ging alles Schlag auf Schlag – lt. Doc musste auf jeden Fall operiert werden, also wurde ein OP-Termin vereinbart, weitere Untersuchungen wie Röhre usw. angeordnet.

    Zuhause wieder angekommen lies ich mir das alles durch den Kopf gehen und kam dann aber zu dem Entschluss, dass ich mein Knie nicht operieren lassen wollte, irgendetwas in mir sträubte sich total dagegen. Also, alles wieder rückgängig gemacht, der Arzt war stinksauer und hat auf Grund dessen, die weitere Behandlung verweigert.

    Nachdem ich mit einer Bekannten telefoniert hatte, die ausgebildet in Feldenkreis ist, bot sie mir an, 1x die Woche mit mir eine Sitzung zu machen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich absolut keine Ahnung von Feldenkreis und konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das helfen sollte. Sie ist mit einem praktischen Arzt verheiratet und ich wollte einfach nur ihre Meinung einholen, ob wirklich operiert werden muss, oder ob es auch anders geht. – So kam ich dann mit Feldenkreis in Berührung, obwohl ich überhaupt keine Ahnung hatte, was das ist und was es bewirken kann.

    Nun gut, meine Bekannte kam jede Woche und wir haben Feldenkreis praktiziert – oder besser gesagt, sie mit mir 😉 Zu dem Zeitpunkt als wir anfingen, konnte ich das Bein nicht mehr beugen und jede Bewegung schmerzte höllisch. Aber, so ganz, ganz langsam wurde es nach einiger Zeit tatsächlich besser.

    Ein ganzes Jahr hat es dann gedauert, dass ich, bis auf vielleicht 5% Bewegungseinschränkung, mein Bein wieder gerade machen konnte. Heute bin ich in dem Knie fast schmerzfrei und mit den 5% fehlender Bewegung kann ich gut leben! Ich bin wirklich froh, dass ich mich damals auf mein Bauchgefühl verlassen habe und das Knie nicht operieren lassen habe.

    Die Übungen die meine Bekannte mit mir gemacht hat, haben mir wirklich sehr geholfen – zum damaligen Zeitpunkt konnte ich mir das echt nicht vorstellen. Und es stimmt, was du schreibst – wichtig ist wirklich, dass die Chemie stimmt, sonst wird es nichts. Auch bei deinem Sohn wurde ja durch Feldenkreis erstaunliche Ergebnisse erzielt. Echt super! Ich persönlich würde heute, falls noch einmal erforderlich und vertretbar, immer zunächst Feldenkreis vorziehen, bevor ich mich unters Messer lege 😉 Und ja, alles in mir sträubte sich gegen diese geplante OP – auch hierbei sollte man sich wirklich auf sein Bauchgefühl verlassen und in so einem Fall nach anderen Alternativen suchen!
    Liebe Grüße,
    Lisa

    • Reply frauenpowertrotzms 29. November 2018 at 11:06

      Liebe Lisa,
      das ist ja ein erfreulicher Bericht. Ohne OP und nur durch Feldenkrais, großartig! Muss ich meinen Feldenkrais Lehrer erzählen. Ja ohne ihn wäre Joel nicht da wo er heute steht und geht. Habe mich ja auch gegen eine große OP bei ihm gewährt, trotz dass die Ärzte mir ein schlechtes Gewissen einreden wollten. So war es ein kleiner Eingriff und Feldenkrais dazu, ein voller Erfolg.
      Liebe Grüße Caro

  • Reply Elke 22. Oktober 2018 at 21:12

    Hallo liebe Caro,

    von Feldenkreis habe ich während meiner Zeit in Oy-Mittelberg. Dort habe ich immer 1 x im Jahr mein Heilfasten gemacht.
    Aber mir hatte es nicht so wirklich zugesagt. Aber man weiss ja nie. Der Weg zu meinem Yoga hat ja auch etwas gedauert.

    Liebe Grüße
    elke von elke.works

    • Reply frauenpowertrotzms 23. Oktober 2018 at 08:53

      Hallo Elke,
      Feldenkrais muss man erst lernen und auch zulassen. Nicht einfach am Anfang. Aber Yoga ist eine feine Art zu entspannen und die Knochen zu richten.
      Liebe Grüße Caro

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