Sport-und Klettern mit MS

Klettern mit MS I Warum es einen Therapie- und Trainingseffekt hat!

5. April 2020
Toprope

Werbung unbezahlt Ι jedoch Affiliate-Links und Links zu Gruppen

Klettern mit MS ist möglich und ich zeige dir heute, warum. Klettern war schon immer mein Traum und erst mit der Diagnose erfüllte ich mir diesen. In den Jahren als alleinerziehende Mama war es finanziell und zeitlich nicht möglich. Doch schon vor ein paar Jahren wurde mein Interesse geweckt als ich einen Bericht über eine Gruppe „Klettern mit MS“ in München gelesen habe. Meine stellvertretende Gruppenleiterin in unserer Selbsthilfegruppe fing wie ich Feuer und so gründeten wir selbst eine Gruppe. Sie fuhr sogar mit ihrem Mann nach Bayern, um Vorort sich das Training anzuschauen. Auch gab es viele Tipps vom Gründungsmitglied von „MS on the Rocks“. Markus sitzt übrigens selbst im Rolli und hat viel Erfahrung. Vor 2 Jahren gründeten wir eine neue Gruppe und besuchten darüber hinaus die Handicap–Gruppe beim DAV in Karlsruhe. Alles ist möglich, nur eben anders.

Gibt es eine Mindestanforderung um mit Multiple Sklerose klettern zu können?

Menschen mit einer neurologischen Erkrankung, wie die MS können klettern, sogar mit Einschränkungen und wenn sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Jeder kann klettern! Bist du dir unsicher spreche vorher mit deinem Arzt, wenn du beispielsweise zusätzlich noch eine Herzerkrankung hast. Ansonsten steht diesem Sport nichts im Wege. Ich sage immer zu Interessierte: Schaue es dir an, probiere es aus und einfach die Kletterwand hoch. Also egal, ob du die Wand hochsteigst oder dich hochziehst, Übung macht den Meister und viele Therapeuten unterstützen diese Sportart.

Braucht man eine spezielle Ausrüstung gerade beim Klettern mit MS?

Das wichtigste ist für jeden Kletterer die richtigen Schuhe und Gurte. Bequeme Sportkleidung und schon kannst du loslegen.

Einen Klettergurt kaufst du am besten in Kletterhallen, Sportgeschäften Vorort oder online. Beim ersten Ausprobieren, ob dir diese Sportart gefällt, kannst du ihn auch in der Kletterhalle samt Schuhe ausleihen. Ich persönlich finde es wichtig den Klettergurt sowie Kletterschuhe vorher auszuprobieren und benutze selbst nur neue Markenprodukte, keine gebrauchten (Die Verlinkung zeigt dir meine Ausrüstung). Gebrauchte Gurte sollten nur bis zu 10 Jahre benutzt werden. Achte beim Kauf darauf, dass er noch recht neu ist, solltest du keinen gebrauchten kaufen wollen. Kletterschuhe sind sehr wichtig, da sie von der Beschaffenheit und dem Tritt besser sind als Turnschuhe. 

Ist deine Hüfte und Rumpf instabil, dann rate ich dir einen zusätzlichen Brustgurt. Du erlangst mehr Stabilität und kannst nicht nach hinten fallen. Bei Ataxie und Sensibilitätsstörungen in den Händen haben sich bei mir Kletterhandschuhe bewährt. Da ich auch sichere, fühlt sich das Seil in meinen Händen griffiger an und schmerzt nicht mehr. Um deine Beinkraft mithilfe deiner Arme zu erhöhen, benutzen viele eingeschränkte Kletterer sogenannte Seilschlingen, die an deinen Füßen und deinem Klettergurt befestigt werden. Somit hast du Unterstützung um deinen Fuß hochzuziehen. Am besten lass es dir beim ersten Mal zeigen. In der Praxis versteht man es einfach besser. 

Trotz Handicap klettern

Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen – wir bezwingen uns selbst.

Edmund Hilary

Wie klettern wir in unserer Gruppe?

Wir klettern mit dem Toprope. Das ist eine Sicherungsform, bei der das Seil oben in der Umlenkung eingehängt ist und der Partner sichert den Kletternden vom Boden aus. Das Toprope–Klettern ist die sicherste und am einfachsten zu lernende Art des Kletterns und Sicherns. Als Sicherungsgerät nutzen die meisten von uns den Halbautomaten Grigri. Lass dir das aber bitte in deiner Gruppe genau erklären. In der Praxis siehst du schnell, was ich damit meine. 

Auf dem Foto siehst du Nicole, die meistens den Rollstuhl braucht. Sie trägt beim Klettern neben einem normalen Klettergurt noch einen Brustgurt. Außerdem sichern wir zu zweit und einer klettert mit, um sie bei den Tritten zu unterstützen. In der Kletterhalle wurden für uns große Griffe und Tritte bei verschiedenen Routen geschraubt. 

Toprope trotz handicap

 

Das Geheimis des Vorwärtskommens besteht darin,
den ersten Schritt zu tun.

Mark Twain

 

Welche Effekte erzielst du beim Klettern? Was kann sich verbessern?

Klettern ist eine Therapieform, die komplex ist und deinen Bewegungsapparat fordert. Zum einen kräftigt sie deine Arme und Beine, dabei ist die Diagonalarbeit nicht von der Hand zu weisen. Deine Koordination verbessert sich, gerade bei Ataxie, ebenso das Zusammenspiel von Sinnesorganen und Muskeln. Deine Ausdauer wird sich erhöhen und du verbesserst dein Gleichgewicht. Durchs Klettern kann ich wieder Fahrrad fahren, was mir wieder etwas mehr Lebensqualität zurückbringt. Deine Rumpfmuskulatur kann trainiert werden, gerade wenn du wenig läufst oder den Rollstuhl benutzt. Was auch ein enormer Pluspunkt bei Klettern mit MS ist, dass du garantiert selbstbewusster wirst. Denn welch Gefühle entwickeln sich, wenn du die Wand besteigen wirst. Dein Selbstwertgefühl steigt enorm und du kannst echt stolz sein. In der Gruppe macht Sport einfach mehr Spaß und vielleicht lernst du neue Leute kennen. Der soziale Aspekt darf nicht unterschätzt werden.

Es gibt auch viele Gruppen, die im Sommer draußen am Felsen klettern oder sogar Freizeiten anbieten. So weit ist unsere Landauer Gruppe noch nicht, aber in NRW gibt es solche Angebote bereits.

Wann und wo trifft sich die Landauer Klettergruppe?

Wir treffen uns an jedem Freitag im Monat ab 18:00 in der Kletterhalle Fitzrock in 76829 Landau. Außer am dritten Freitag im Monat, da an diesem Tag unsere MS-Selbsthilfegruppe sich trifft. Da wir einen Trainer vom DAV (Deutscher Alpenverein) Sektion Landau zur Verfügung gestellt bekommen haben und auch Mitglieder oft anwesend sind, die sichern, sind die meisten auch DAV–Mitglieder, um den rabattierten Eintrittspreis zu bekommen. Nicht-Mitglieder sind ebenfalls willkommen. Und schnuppern kannst du jederzeit. Am besten du meldest dich vorher bei mir unter der Telefonnummer 06341–890844 oder schreibst mir eine Mail an caroline.regnard@t-online.de.

Toprope

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8 Kommentare

  • Antworten Elisa 14. April 2020 at 15:59

    Liebe Caro,
    ich liebe es zu klettern, hatte aber keine Ahnung, welche Möglichkeiten diese Sportart bietet! Finde ich echt toll, dass auch körperlich eingeschränkte Personen unterstützt werden und dieses wunderbare Angebot wahrnehmen können. Auch wahnsinnig stark von dir, dass du das Klettern als Therapieform für dich entdeckt hast – Hut ab!
    Alles Liebe, Elisa

    • Antworten frauenpowertrotzms 14. April 2020 at 16:17

      Schön dass du auch kletterst. Mittlerweile gibt es einige Klettergruppen mit Handicap und es werden immer mehr.
      LG Caro

  • Antworten Dr. Annette Pitzer 14. April 2020 at 08:03

    Dein Fazit „Jeder kann klettern“ finde ich durchaus spannend, auch wenn ich da, als Therapeutin, schon einige Einschränkungen machen würde. Begeistert bin ich von dem Satz „Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen, wir bezwingen uns selbst.“ Früher bin ich selber auf Berge geklettert und kann daher nur zustimmen.
    Alles Liebe
    Annette

    • Antworten frauenpowertrotzms 14. April 2020 at 16:19

      Doch ich stehe zu dem „Klettern kann jeder“ und würde dir jede Klettergruppe mit Handicap bestätigen. Nur der Ablauf und die Möglichkeiten sind anders wie bei gesunden. Würde dich gerne dazu einladen mal zuzuschauen.

  • Antworten Bettina Halbach 7. April 2020 at 14:41

    Hallo Caro, ich finds toll, dass du kletterst und diese Möglichkeit anderen MS – Betroffenen vorstellst. Ich konnte mir bislang noch gar Nichts darunter vorstellen, aber bestimmt findet so mancher dank deines Beitrags Spaß daran, zumal es noch dazu einen wertvollen Trainingseffekt hat. Liebe Grüße Bettina

    • Antworten frauenpowertrotzms 7. April 2020 at 18:47

      Liebe Bettina,
      Danke für deinen Kommentar. Habe versucht alles reinzupacken. Mir kann ja jeder bei Fragen schreiben.
      Liebe Grüße Caro

  • Antworten Nadja Steinbeißer 5. April 2020 at 19:06

    Liebe Caro,
    vielen Dank für Deinen tollen und informativen Beitrag!
    Ich muß gestehen, dass ich mich bisher durch die Einschränkungen am rechten Bein und der rechten Hand nicht ans klettern rangetraut habe. Als ich vor 3 Jahren auf Reha war, gab es dort eine kleine Kletterwand, von der Physiotherapeutin wurde mir aber gesagt, dass das nichts für mich ist! Muß ich mich mal umhören, ob es bei mir hier in der Umgebung etwas gibt!
    Liebe Grüße Nadja

    • Antworten frauenpowertrotzms 5. April 2020 at 22:07

      Liebe Nadja,
      dass das die Therapeutin gesagt, verstehe ich nicht. Sie hatte anscheinend keine Lust denn da wo eine Kletterwand in so einer Einrichtung ist, ist sie für Betroffene.
      Google dich mal durchs Netz. Oder frage mal den DAV in eurer Nähe oder Bundesland. Versuche es einfach mal. Vielleicht macht es dir Spaß. Würde mich freuen.
      Liebe Grüße Caro

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