Multiple Sklerose

Schmerzen bei MS I ich helfe dir sie zu verstehen I Lese unbedingt weiter!

18. März 2020
Beschwerden und Symptome

Erkrankte mit Multiple Sklerose leiden ca. 60 % unter Schmerzen und viele bereits zu Beginn der MS. Schmerzen bei MS unterschätzen noch viele Ärzte. Doch gerade ein früher Therapie- und Behandlungsbeginn ist entscheidend. Deswegen spreche dieses Thema bei deinem Neurologen unbedingt an; gegebenenfalls immer wieder. Zögere nicht weitere Ärzte, wie deinen Hausarzt hinzuzuziehen. Deswegen schreibe ich heute für dich über akute und chronische Schmerzen bei MS, über verschiedene Schmerzarten und Behandlungsmöglichkeiten. Weitere Informationen und Broschüren findet ihr beispielsweise bei der DMSG und Amsel.

Akute und chronische Schmerzen

Unser Körper signalisiert uns durch Schmerzen, dass ein Organ, Körperteil oder Gewebe droht geschädigt zu werden oder bereits geschädigt ist. Wird die Schädigung, wie beispielsweise bei einer Verletzung, in Folge einer Operation, bei Krankheiten, Nervenschäden oder Entzündungen, behoben, dann verschwindet der Schmerz und man spricht von einem akuten Schmerz.

Schmerzen, die länger als 3 Monate bestehen und auch nicht durch Maßnahmen und/oder Schonung sich bessern, spricht man von chronischen Schmerzen. Gerade solche Leiden fallen oft unter diese Kategorie. Sie beeinflussen negativ unseren Alltag und verändern ihn. Nicht selten kommt es zu depressiven Verstimmungen. Seit über 10 Jahren schlage ich mich mit chronischen Schmerzen herum. Sie lassen mich erst spät in den Schlaf finden. Nachts wache ich wegen dieser Beschwernis auf. Ausgeruht am Morgen sieht anders aus. Durch Bewegung am Tage sind sie besser auszuhalten.

Deswegen sollte man unbedingt abklären lassen, ob es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt oder durch die Multiple Sklerose ausgelöste Schmerzen die Ursache sind.

Schmerzen mit der Krankheit Multiple Sklerose

Bei der Erkrankung Multiple Sklerose werden 2 Schmerzformen unterschieden:

  • Nicht MS–bedingte Schmerzen
  • MS–bedingte Schmerzen

Nicht MS–bedingte Schmerzen

Darunter fallen neuropathische Schmerzen, die durch Begleitsymptome, Komplikationen der MS oder Medikamente verursacht werden. Über neuropathische Schmerzen habe ich gesondert bereits geschrieben und könnte dich vielleicht auch interessieren.

Gute Beispiele für nicht MS–bedingte Schmerzen sind Muskelverkrampfungen bei einer Spastik, Rückenschmerzen aufgrund einer Fehlhaltung im Rollstuhl oder anderen Hilfsmitteln oder sogar Magenschmerzen durch Kortison. Hier werden die peripheren (in den äußeren Zonen des Körpers) Schmerzrezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind, gereizt. Der Schmerzreiz ist eine normale Reaktion unseres Körpers.

MS–bedingte Schmerzen

Diese Art von Schmerzen sind eine Folge der Multiplen Sklerose. Sie entstehen aufgrund von Entzündungen und Schädigungen im zentralen Nervensystem. Ebenso bei Entzündungen an Schmerz-leitenden Nervenbahnen oder einem Schmerzzentrum. Also im Sinne von Nervenschmerzen im Gehirn oder Rückenmark. Wir nehmen sie als dauerhafte, chronische Missempfindungen wahr oder sie treten zufallsartig auf. Darunter fallen die Trigeminus–Neuralgie oder Sehnerventzündungen. Aber auch neuropathische Schmerzen.

Bei der Behandlung ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich um einen Ruhe–, Spontan– der hervorrufbaren (evozierbaren) Schmerz handelt. Lass dir diese verschiedenen Arten genau von deinem Arzt erklären. Kannst du die Auslöser benennen und sie vermeiden, kann es schon der erste Schritt zu einer Linderung führen.

1 Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigungen des Nervensystems. Hier ist das Nervensystem der Schmerzverursacher, anders bei anderen zustande kommenden Schmerzen, bei denen die Nervenbahnen die Schmerzreize übermitteln. Bei den neuropathischen Schmerzen bleibt oft die Nervenschädigung der Nervenfasern im Rückenmark bestehen und hier sollte man handeln, bevor sie die Lebensqualität beeinträchtigen.

2 Trigeminusneuralgie

Einer der schlimmsten Pein und Belastung, die ich in meiner MS–Laufbahn erfahren musste. Sie äußern sich impulsartig, als einschießend, elektrisierend, stechend und sehr quälend. Ausgelöst können sie durch leichte Berührungen, mechanische Auslöser, durch Sprechen oder sogar durch einen Windhauch. Treten im Bereich der sensiblen Gesichtsnerven auf, wie an Augen, Kiefer, Stirn, Kopfhaut, Lippen und/oder der Nase auf.

3 Lhermitte–Zeichen

Beim Betroffenen äußert sich dieses Zeichen, wenn es zur Dehnung eines MS–Herdes im Rückenmark beim Vornüberbeugen des Kopfes kommt. Der Schmerz ist heftig und ähnelt einem Stromstoßes, der sich vom Nacken her über den Rumpf in die Beine oder Arme ausbreitet.

4 Dysästhetische Schmerzen

Es handelt sich um Missempfindungen, die häufig unter den Symptomen bei MS rangieren. Sie können einschießend, brennend oder kribbelnd in allen Körperregionen auftreten. Vorrangig oft in den Füßen und den Beinen. Nachts verschlimmern sich diese Schmerzen typischerweise, bei körperlicher Anstrengung oder bei einem Temparaturwechsel. Diese Schmerzen sind mit neuropathische Beschwerden nicht zu verwechseln. Spreche mit deinem Neurologen über den Unterschied dieser beiden Arten von Schmerzen.

5 Sehnerventzündung

Auch Optikusneuritis genannt, ist der Sehnerv in Verbindung mit der MS entzündet. Es kann zu stechenden Schmerzen beim Bewegen der Augen führen. Meistens werden sie mit einer Kortison–Stoßtherapie behandelt.

Beschwerden bei Multiple Sklerose

Wo bekommst du Hilfe außer bei deinem Neurologen?

Schmerzen hat nicht jeder MS–Betroffene. Natürlich können Schmerzen auch im Zusammenhang mit MS–Symptome auftreten, wie etwa bei einer Spastik, doch können sie auch in einem anderen Zusammenhang auftreten. Spreche als Erstes mit deinem Neurologen. Bestehe auf Untersuchungen, um abzuklären, ob die Beschwerden tatsächlich von der MS kommen. Ansonsten kläre ab, ob eventuell ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Lass dich nicht abwimmeln. Am besten du führst ein Schmerztagebuch. So kannst du genau die Art der Schmerzen, das Auftreten und der Zeitpunkt/Situationen und die Auslöser besser benennen.

Frage nach geeigneten Untersuchen, Therapiemöglichkeiten und Medikamente. Stelle Fragen und notiere dir die Antworten. Zumindest muss ich das tun, weil ich so viel vergesse. Vielleicht überweist dich dein Neurologe zu einem anderen Facharzt, wie zu einem Orthopäden. Nehme alle wichtigen Vorbefunde mit. Am besten du legst dir gleich nach der Diagnose einen Ordner an. Wenn es sein muss, nehme ich die ganze Mappe zu einem neuen Arzt mit. Auch ein Schmerztherapeut wäre vielleicht eine zusätzliche Ergänzung bei deiner Schmerzbehandlung. Bespreche dies ausführlich mit deinem Neurologen.

Was macht ein Schmerztherapeut?

Wie der Name schon sagt, dieser Facharzt konzentriert sich erstmal nur auf deine Schmerzen. Zuerst folgt eine körperliche Untersuchung und danach ein ausführliches Gespräch. Deine mitgebrachten Befunde zeigen ihm, welche Vorerkrankungen vorliegen und eventuellen Therapien bereits erfolgt sind. Bereits jetzt kann er dir sagen, ob es sich um MS–bedingte Schmerzen handelt. Sollte das nicht der Fall sein, konzentriert er sich auf die Symptome. Hier ist dein Schmerztagebuch sehr hilfreich. Werden die Schmerzen durch die MS ausgelöst? Eventuell ordnet er weitere Diagnostik an.

Hilfreich für uns Patienten wäre, wenn sich die Fachärzte untereinander austauschen würden — mal schnell zum Telefonhörer greifen, wäre der Idealfall. Doch leider sieht die Realität anders aus. Deswegen behalte alles im Auge und übernehme Eigenverantwortung. Oft schwer für dich, weil du Beschwerden hast, aber es bleibt dir meistens nichts anderes übrig.

Schmerzen auch bei unserer neurologischen Erkrankung sind behandelbar, doch nicht immer zu 100 %. Aber eine Linderung bringt dir Lebensqualität zurück. Als mein Neurologe mir vor über 10 Jahren sagte, dass ich mit meinen Schmerzen leben müsste, glaubte ich ihm nicht. Heute bin ich eines Besseren belehrt. In all den Jahren lernte ich, was mir Linderung bringt und was gut für mich ist. Ich habe nicht aufgegeben, doch ich habe mich mit den Beschwerden arrangiert.

Was kann dir helfen? Welche Therapie?

Neuropathische Schmerzen zu behandeln sind oft schwierig und langfristig. Die Auslöser zu vermeiden, Einnahme von Schmerzmittel, aber auch Kälte und Ablenkung können zu einer Linderung beisteuern. Als medikamentöse Therapie setzt dein behandeltenden Arzt meistens Antiepileptika (Gabepentin, Lyrica, Lamotrigin …), Antidepressive (Amitriptylin…), Opioide und Cannabispräparate (Cannabidiol, Sativex …) ein.

Weitere Therapiemöglichkeiten liegen bei den behandelnden Ärzten, wie beispielsweise Neurologen, Schmerztherapeuten, Anästhesisten, Orthopäden, Psychologen und/oder Psychiatern. Außerdem kommen Ergo–, Physio– und Physikalische Therapien infrage. Zusätzlich sei noch die Akupunktur, der Reha–Sport, die transkutane Nervenstimmulation (TENS) und deine eigene körperliche Aktivität zu erwähnen.

Packe es an — sei hartnäckig — übernehme Eigenverantwortung

Quälen dich Schmerzen, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass du müde bist und nur noch einen Wunsch hast: Deine Schmerzen sollen verschwinden und du möchtest schnellstmögliche Hilfe. Doch dafür musst du leider auch etwas tun!

Übernehme Verantwortung für dich und sein hartnäckig bei deinem Neurologen. Lass dich nicht herumschubsen. Führe ein Schmerztagebuch. Kommst du mit deinem jetzigen Arzt nicht weiter, suche dir einen neuen oder lass dir einen Termin in einer MS—Ambulanz geben. Dein Hausarzt kennt dich vielleicht auch schon sehr lange, spreche mit ihm. Frage andere Betroffene, vielleicht in deiner Selbsthilfegruppe. Probiere Physio—und Ergotherapie aus. Vielleicht musst du auch in deinem Leben, deinem Alltag etwas ändern. Beantrage eine Psychotherapie, wenn du seelisch nicht mehr kannst oder depressiv bist. Schmerzen können sehr zermürbend sein. Ich spreche aus eigener Erfahrung!

Hoffentlich habe ich dir heute einiges über Schmerzen bei MS oder auch nicht MS—bedingte erklären können. Gerne schreibe mir hier unter dem Artikel deine Erfahrungen. Darüber würde ich mich riesig freuen. Denn auch ich bin immer wieder am Suchen nach Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten.

In diesem Sinne eine schmerzfreie Zeit!

Deine

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8 Kommentare

  • Antworten Wiebke 22. März 2020 at 03:05

    Hallo Caro,
    wieder ein guter Artikel.
    Leider schauen viele Ärzte bei Schmerzen nicht mehr hin, wenn MS diagnostiziert wurde. Das liegt an der MS, haben wir mehrfach zu hören bekommen und damit hat sich das dann auch schon, trotz bestehender Schmerzen, erledigt. Da nutzt manchmal auch Hartnäckigkeit nichts, ich freue mich aber für jeden, der das irgendwie in den Griff bekommt.
    LG Wiebke

    • Antworten frauenpowertrotzms 22. März 2020 at 12:37

      Liebe Wiebke,
      hartnäckig sein kostet Kraft. Habe es manchmal keine Kraft mehr. Habe jetzt ein Lösung für mich gefunden aber zufrieden bin ich auch nicht damit. Gute Neurologen zu finden ist sehr schwer.
      Liebe Grüße Caro

  • Antworten Bettina 21. März 2020 at 19:39

    Hallo Caro, vielen Dank. Ich finde deinen Beitrag ‚was tun bei Schmerzen‘ sehr hilfreich. Es sind jede Menge praktische Tipps zum Umgang.
    Ich glaube, vor allem deine Anregung mit dem Schmerztagebuch sollten Betroffene umsetzen. Ich bin nicht MS betroffen, habe aber für meine Fructoseintoleranz über ein Beschwerdetagebuch meine Toleranz-Grenze für Fructose ermitteln können, ohne je in die Fänge unserer Ärzteschaft zu geraten – und lebe jetzt frei von Beschwerden, weil ich als Ernährungswissenschaft-lerin natürlich weiß, was ich bei dieser Intoleranz tun kann. Ohne dieses Tagebuch hätte ich das nicht geschafft. Und ich kann mir gut vorstellen , dass es bei Schmerzen, die MS bedingt sind, ähnlich ist. Vor allem hat man etwas in der Hand, wenn man sein Schmerztagebuch ordentlich aufbereitet und dem Arzt vorlegt. Beschäftigen sich eigentlich auch Schmerztherapeuten mit MS oder ist das nicht deren Gebiet? Die wären ja evtl auch eine Anlaufstelle? liebe Grüße Bettina

    • Antworten frauenpowertrotzms 21. März 2020 at 19:44

      Liebe Bettina,
      ja ein Schmerztagebuch ist bei vielen Krankheiten wichtig, so kann man selbst einiges über sich erfahren. Mi deiner Ausbildung kannst du dir natürlich selbst helfen.
      Alle anderen mit MS sollten zu erst ihren Neurologen fragen und dann, wie in meinem Artikel, evtl. einen Schmerztherapeuten aufsuchen.

      Liebe Grüße
      Caro

  • Antworten Britta Roth 18. März 2020 at 12:10

    Liebe Caro,
    wieder einmal perfekt erklärt und damit aufklärend! Super! Damit werden viele Neu-MSler sich in Zukunft besser auskennen mit den diversen Schmerztypen und auch der Bekämpfung!
    Ich leide seit Jahren an einer ausgeprägten Trigeminusneuralgie und wenn sie aufflackert, dann würde ich mich am liebsten umbringen um diesen Schmerz nicht mehr spüren zu müssen. mir hilft Kälte, Eisbeutel auf die Gesichtshälfte bis sie fast gefroren ist oder ich setze aus dem Zahnfleisch an der SEite des Neuralgieschmerzes mit einem Zahnstocher. Das hilft auch manchmal.
    Hoffentlich können wir uns Gehör verschaffen bei den diversen Ärzten und ernst genommen werden! Das ist mein größter Wunsch.

    Einen schönen Nachmittag wünsche ich dir!
    Britta

    • Antworten frauenpowertrotzms 18. März 2020 at 12:54

      Danke liebe Britta für deine Tipps. Ja die Trigeminusneuralgie ist echt nur schrecklich. Diesen Winter hatte ich keine. Wünsche dir einen schönen Resttag. Die Sonne scheint und wenigstens die lacht!
      Liebe Grüße
      Caro

  • Antworten Nadja Steinbeißer 18. März 2020 at 07:03

    Liebe Caro, vielen Dank für den interessanten Beitrag zum Thema Schmerzen! Mein früherer Neurologe konnte mit diesem Thema gar nichts anfangen, da hieß es immer nur das hat nichts mit der MS zu tun (bei ihm hatte nie was mit der MS zu tun) oder ich hätte solche Depressionen, dass ich mir die Schmerzen nur einbilde! Damals habe ich wirklich an mir gezweifelt. Mittlererweile habe ich einen anderen Neurologen, leider sind einige der Schmerzen zu dauerhaften Begleitern geworden, aber man lernt sich damit zu arrangieren!
    Danke liebe Caro für Deinen wertvollen Beitrag zur Aufklärung!
    Liebe Grüße

    • Antworten frauenpowertrotzms 18. März 2020 at 12:56

      Liebe Nadja,
      mein alter Neurologe nahm mich ernst, leider der jetzige nicht. Ich habe wie du, mich arrangiert und probiere auch nichts mehr an Medikamente aus. ich habe so meine kleinen Tricks.
      Schlimm, wie Ärzte mit uns umgehen. Schnell schieben sie es auf die Psyche.
      Liebe Grüße Caro

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